Samstag, 30. März 2013

Die ewige Geißel der Menschheit



Wenn kleine Kinder sich um ein Spielzeug im Sandkasten streiten, artet das häufig sehr schnell in eine handfeste Rauferei aus. Die Kinder schmeißen mit Sand um sich, schlagen sich mit bloßen Fäusten, Schippen und Eimern und funktionieren ihren kleinen Bagger in ein Wurfgeschoss um. Ihr Ziel ist es,  ihren Kontrahenten so einzuschüchtern, dass er den Sandkasten verlässt und sie das Spielzeug für sich alleine haben. Für Kleinkinder ist Gewalt oft die einzige Möglichkeit ihre Ansprüche geltend zu machen, da sie häufig noch nicht ganz verstanden habe , wie man einen Kompromiss schließt und sich oft auch schlicht und ergreifend noch nicht richtig verständigen können. Wenn die Eltern der Kinder dieses Verhalten sehen, greifen sie ein und schimpfen mit ihren Kinder; in der Hoffnung, dass sie als erwachsene Menschen in Gewalt nicht ein akzeptables Mittel zur Interessendurchsetzung sehen. Scheinbar haben einige Anführer in einigen Länder auf diesem Planeten das Kleinkinderalter also noch nicht verlassen und wollen ihren Besitz über Kriege vergrößern. Was ist jedoch überhaupt die Idee hinter diesem Verhalten; warum funktioniert das Konzept des Krieges?

Das Ziel der meisten Kriege ist eine Reduktion der Anzahl an Personen, die eine Auffassung vertreten, die konträr zur eigenen ist oder aus irgendwelchen Gründen (vermutlich) die Durchführung des eigenen Plans verhindern. Dabei geht es meistens nicht direkt darum, die Personen zu töten, die eine konträre Meinung vertritt, sondern, die Personen zu töten, die die Person, die die konträre Auffassung vertritt, verteidigen können. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die jeweiligen Anführer von der eigenen Seite als so wichtig angesehen werden, dass man sie um jeden Preis verteidigen muss, auch unter Einsatz von tausenden von Leben. Hat man genug Personen getötet, lenkt unterlegene Anführer meistens ein und der Gewinner bekommt, was er sich gewünscht hat. Das Prinzip eines Krieges ist also das selbe, wie das einer Sandkastenschlägerei. Die Folgen sind lediglich weitaus extremer und grausamer als es die einer Sandkastenschlägerei je sein können. In den meisten Fällen werden die Erwachsenen, die diese Art der „Konfliktlösung“ bevorzugen, von den selben Motiven getrieben, die auch die Kinder antreiben: Gier, Neid, Missgunst, Habsucht…. Nicht nur der Antrieb für Kriege ist der Selbe wie der für Streit zwischen Kleinkinder, sondern auch die Durchführung gleicht sich. Während sich kleine Kinder mit Sand bewerfen, bewerfen sich erwachsene Menschen mit Granaten. Während sich kleine Kinder mit Schaufeln schlagen, schlagen sich erwachsene mit Bajonetten, Macheten und ähnlichem. Wenn eine geschlagene Armee die Taktik der „verbrannten Erde“ einsetzt und alles auf ihrem eigenen Territorium zerstört, so ist dies lediglich die „erwachsenen Version“  des Zerstörens des eigenen Spielzeuges, damit das stärkere Kind damit nicht spielen kann. Und warum macht man sich diese ganze Mühe, warum riskiert man so viele Leben?

Da sowohl die Methoden als auch der Antrieb für Kriege aus dem Bereich der Kleinkind-Konflikte kommen, überrascht es nicht, dass auch die Idee für dieses Verhalten aus diesem Feld kommt. Da kleine Kinder aus entwicklungstechnischen  Gründen das Konzept von Kompromissen und Einigung häufig noch nicht ganz verstanden haben, kann man nachvollziehen, dass sie ihre Konflikte manchmal auf die rauere Art lösen. Und da, wenn beide Kinder noch nicht richtig sprechen können, auch noch ein Kommunikationsproblem vorhanden ist, ist es hier auch verständlich, warum manchmal die Fäuste sprechen: Gewalt ist eine Sprache, die multikulturell ist und von jedem Lebewesen verstanden wird. Ist ein Kind dann eingeschüchtert, hat das andere dann erst einmal, das, was es sich wünscht. Die Idee hinter der Gewalt ist also Einschüchterung, das Erzeugen von so starker Angst, dass der Gegner das Feld verlässt, weil man nicht in der Lage ist, den anderen durch gute Argumente zu überzeugen. Erwachsene machen in Kriegen nichts anderes!? Aber sollten Erwachsene nicht eigentlich geistig in der Lage dazu sein, miteinander zu Verhandeln, Kompromisse auszuarbeiten und zu akzeptieren? Und sollten Erwachsene nicht eigentlich alle irgendwie sprechen können? Falls es Probleme mit einer Fremdsprache geben sollte, so kann man diese dank Dolmetschern lösen.  Wie man sieht ist der Grund für Kriege, die Idee, die hinter jedem Krieg steckt, so primitiv, dass es eigentlich ein Leichtes sein sollte, Kriege zu verhindern. Wenn es aber so einfach ist, Kriege zu vermeiden, warum gibt es sie dann immer noch?

Da es für einen Erwachsenen keinen Grund dafür gibt, einen Krieg anzufangen, ist es doch verwunderlich, dass es überhaupt noch Kriege gibt. In einer idealen Welt würde man sämtliche Probleme, die zu Kriegen führen könnten, am Verhandlungstisch lösen, da man nur den Wert der Argumente zählen und eine entsprechende Entscheidung fällen würde. Da wir aber nicht in einer idealen Welt leben, gibt es einen Vielzahl an Erwachsenen, die nie richtig gelernt haben, rational zu denken und zu handeln. Sie mögen in einigen Feldern zwar sehr „erwachsen“ sein, in diesen Punkten, die zu Kriege führen, sind sie aber immer noch auf dem Stand eines Kleinkindes. Man kann diese fehlende Verhandlungsbereitschaft auf die Erziehung schieben und hoffen, dass eine gute Erziehung eines Großteils der Bevölkerung das Risiko für einen Krieg senkt. Diese Ansicht lässt einen zwar darauf Hoffen, dass es theoretisch möglich ist, eines Tages ohne Kriege zu leben, aber sie ist auch sehr unrealistisch. Viel wahrscheinlicher ist es, dass es immer Menschen gibt, die einfach nicht in der Lage dazu sind, zu begreifen, wie wichtig eine gepflegte Kommunikations- und Diskussionskultur ist und dementsprechend nicht anders können als Konflikte wie Kleinkinder zu lösen. Da eine Vielzahl an verschiedenen Fakten schon seit Menschengedenken dafür sprechen, dass wir den Namen „Sapiens“ nicht verdient haben, ist die zweite Version deutlich wahrscheinlicher. Es scheint damit auch gesichert, dass es, so lange es Menschen gibt, auch Kriege geben wird. Aus dem primitiven Grund, dass einige Menschen nicht in der Lage sind, das Kleinkinder-Verhalten abzulegen.

Das Konzept eines Krieges ist leider auch zu gut, als das es eines Tages nicht mehr funktionieren würde. Viele Menschen würden, zumindest für einige Zeit, auf Besitz und Komfort verzichten; an ihrem Leben hängen aber fast alle Menschen. Und da es nicht abzusehen ist, dass sich dies ändert, wird die Drohung mit dem Tod immer eine gute Drohung sein. Da es im Kriegsfall nicht um die besseren, sondern nur um die durchschlagenderen Argumente geht, ist auch die einzig mögliche Verteidigung die Anwendung von Gewalt. Ein Konzept, dass mit Gewalt gegen das Leben an sich vorgeht, kann anscheinend nur mit Gewalt paroli geboten werden. Ein passiver Wiederstand würde ein, zumindest zeitweises, Akzeptieren des Unrechtes bedeuten und ist häufig genauso gefährlich wie der aktive Kampf. Wie es scheint, hat der Mensch also ein sehr erfolgreiches Konzept zur persönlichen Bereicherung entwickelt, das fast zwangsläufig zu einer Eskalationsspirale führt.

Man sieht sehr gut, wie es der homo sapiens sapiens geschafft hat, den Grundstein für seine eigene Ausrottung zu legen, ohne dabei neue Verhaltensmuster adaptieren zu müssen. Eigentlich müsste man ihm für diese beeindruckende Effizienz beglückwünschen. Vermutlich gibt es nur zwei Wege, die es für den Menschen in Zukunft unnötig machen einen Krieg zu beginnen. Der erste Weg führt über einen großen, globalen Krieg, in dem eine Partei es endlich schafft die Weltherrschaft zu gewinnen und es so zumindest keinen Grund mehr für Kriege zwischen verschiedenen Staaten gibt. Zwar könnte es in diesem Staat noch Bürgerkriege geben, aber über eine gute Überwachung und Unterdrückung der Bürger dürfte sich auch dieses Problem vermeiden lassen. Der zweite Weg führt über eine Weiterentwicklung der Menschheit zu einer Spezies, in der Erwachsene nicht nur theoretisch in der Lage dazu sind, vernünftig miteinander zu diskutieren, sonder diese Fähigkeit auch ganz praktisch nutzen. Aber da es für so eine Entwicklung schon deutlich mehr als ein großes Wunder brauch, scheint der Krieg die immerwährende Geißel der Menschheit zu sein. Und vielleicht auch ihr, dann verdienter, Untergang.

Krieg ist, wenn sich Menschen töten, die sich nicht kennen, auf Befehl von Menschen, die sich kennen und sich nicht töten!

Sonntag, 24. März 2013

Ein (Un)erwartetes Ende



Wenn eine Beziehung nach neun Jahren zu Ende geht, ist es der Regelfall, dass an nicht so einfach darüber hinweg kommt. Man wird sich an die „guten Zeiten“ zurückerinnern, immer wieder daran denken, wie schön es doch eigentlich war und vielleicht auch das Ende bereuen. Bei einer Beziehung zwischen zwei Menschen wird das eigene soziale Umfeld solche Gedanken und Emotionen auch meist verstehen, da sie zu erwarten sind. Verlustgefühle treten aber ( leider?) nicht nur bei einem Beziehungsende zwischen zwei Personen auf.

Nach neun Jahren ist nun meinen „Beziehung“ zu meiner Schule zu Ende gegangen. Es war ein Ende mit Vorankündigung; ein Ende, auf das man sich eigentlich vorbereiten kann. Aber irgendwie schien es immer so weit fern zu sein. Als dann aber der Tag kam, an dem wir unsere Zeugnisse überreicht bekamen, überfiel mich die Gewissheit, dass ich nur noch zu den Abiturprüfungen dieses Gebäude betreten muss. Und in diesem Moment begann mein „emotionales Ich“ die Endgültigkeit des Abschiedes zu begreifen. Es mag komisch klingen, dass man sich nach dem Ausscheiden aus der Schule traurig und leer vorkommt, aber für mich war meine Schule immer mehr als nur ein hässlicher Betonklotz. Es gibt an meiner Schule eine Gruppe von Lehrern, die eigentlich fast alle Aktivitäten initiieren oder unterstützen. Diese Lehrer bezeichne ich als die „Seele“ der Schule, da sie die Schule zu mehr machen als nur einem Unterrichtsgebäude. Ich hatte das unglaubliche Glück schon zu Beginn meiner Schullaufbahn über Lehrer zu stolpern, die die „Seele“ der Schule darstellten.  Durch den Zufall bin ich in der 7. Klasse an einen dieser Lehrer geraten.

Mein schulisches Engagement begann in der Schülerzeitung. Nach einigen zaghaften Versuchen habe ich angefangen ziemlich kontinuierlich Artikel zu schreiben und war damit rasch produktiver als die meisten anderen Redakteure. Der Lehrer, der die Schülerzeitung betreute, fing an mich in meiner Recherche zu unterstützen und sprach mir Mut zu, wenn ich Lehrer zu Themen befragte, die für sie nicht unbedingt angenehm waren. Dieser Lehrer wurde für die nächsten Jahre eine Art „Mentor“ für mich. Durch ihn wurde ich dreister und zielstrebiger. Ein Jahr darauf wurde ich dann in die SV meiner Schule eingeladen und ab da wuchst die Anzahl der AGs, die ich besuchte stetig. Mit der Einladung in die SV begann für mich ein ganz neues Kapitel Schulgeschichte, da ich endlich die Möglichkeit bekam, die Dinge, die mir nicht passen zu ändern. In der Schülerzeitung konnte ich nur über sie berichten, jetzt konnte ich endlich wirklich etwas bewirken. Ich fing an mich in die SV-Arbeit zu vertiefen und war rasch in verschiedenen Planungsgruppen. Durch diese Arbeit lernte ich die anderen Lehrer kennen, die die „Seele“ der Schule bildeten. Dadurch, dass ich aufgrund der AGs meist länger in der Schule blieb, viel mit verschiedenen Lehrern zu tun hatte und mit vielen Lehrern außerunterrichtlich per „Du“ war, ist die Schule für mich eine zweite Familie geworden.

Das klingt wahrscheinlich armselig und ich sehe diesen Punkt selber ein wenig kritisch. Diese Identifikation mit der Schule wurde mir auch von vielen Lehrern nicht abgenommen, da sie mich auch als Kritiker kannten. Aber probiert man nicht das, was man gerne hat zu verbessern? Möchte man denn nicht Fehler, die man erkannt hat, beheben? Trotzdem hatte diese besondere Beziehung zur Schule einen unschätzbaren Vorteil: Sie motivierte! Es gab kaum Tage, an denen ich wirklich keine Lust hatte zur Schule zu gehen. Nicht, weil ich den Unterricht so toll fand oder ich das Gebäude besonders mochte. Sondern, weil ich das Gefühl hatte, willkommen zu sein. Ein angenehmer Nebeneffekt ist auch, dass ich deshalb auch motivierter war zu lernen oder für die Schule zu arbeiten. Ich habe es mit meinem schulischen Engagement wahrscheinlich deutlich übertrieben, aber ein wenig mehr Identifikation mit der Schule dürfte bei den meisten Schülern die Motivation doch steigern.

Diese neun Jahre Schule, neun Jahre „Zweitfamilie“, haben deutlich mehr gebracht, als neun Jahre Unterricht. Organisieren lernt man nicht im Unterricht, wohl aber in AGs. Und dass eine gute Improvisationsfähigkeit mindestens genauso wichtig ist wie exzellente Planung war auch eine wichtige Erfahrung. Ich habe gelernt Gruppen zu leiten, selber zu unterrichten und mich auf die verschiedenen Lerntypten von Kindern und Jugendlichen einzustellen. Geduld, Zielstrebigkeit und Ernsthaftigkeit haben eine neue Wichtigkeit für mich Gewonnen. Und was ich vor allem gelernt habe ist, dass in vielen Personen riesige Potentiale stecken, die einfach ungenutzt bleiben. Vermutlich würde es eine AG-Pflicht vereinfachen, die Potentiale zu entdecken und es den Kindern zu Ermöglichen, dass sie sie nutzen. Neben den ganzen positiven Aspekten hat diese besondere Beziehung aber auch einen ganz großen Nachteil gehabt: Sie war mindestens genauso zeitintensiv wie eine Beziehung zu einem anderen Menschen! Wenn man nicht wirklich gute Freunde hat, dürfte man sehr schnell ohne Freunde dastehen, da man nur wenig Freizeit hat um etwas mit ihnen zu unternehmen. Und freie Wochenenden oder freie Wochentage sind auch etwas, von dem ich viel zu häufig nur geträumt habe.

 
Als Fazit könnte man festhalten, dass ich zu viel gemacht, zu wenig geschlafen und sehr viel Spaß gehabt habe. Rein rational gesehen war es wahrscheinlich ein Fehler so viel Zeit in etwas so unwichtiges zu investieren …  aber ich würde diesen Fehler wahrscheinlich immer wieder machen.

Sonntag, 24. Februar 2013

Nachrichtenflut



Der Papstrücktritt, die Diskussion um die steigenden Kosten von Stuttgart 21, der Rücktritt von Frau Schavan und ihr Vorgehen gegen die Feststellung der Universität, dass ihre Arbeit fehlerhaft ist …. Diese und viele andere größere Ereignisse haben in den letzten vier Wochen die Presse beschäftigt. Neben diesen Ereignissen, die nicht nur eine gesellschaftliche, sondern auch eine politische und moralische Dimension haben, passierten noch viele kleine Dinge, die eher für den lokalen Raum interessant waren. Normalerweise ist die Verarbeitung und Aufarbeitung dieser Flut an Informationen ein ganz natürlicher Bestandteil des Alltags. Das man dafür ein wenig Zeit benötigt, wird einem meist erst dann bewusst, wenn man diese Zeit nicht mehr hat.

Wenn man aufgrund bestimmter schulischer oder beruflicher Phasen dazu gezwungen, einen Großteil des Tages für bestimmte Aufgaben zu nutzen, so wird man früher oder später  Nachrichten nur noch rudimentär verfolgen. Je nach Freundes- und Bekanntenkreis dauert es ein wenig, bis man bemerkt, dass man den anderen in aktuellen politischen Tagesgeschehen deutlich hinterherhinkt. Bei Gesprächen mit Personen, die nicht in der selben, zeitaufwändigen Phase sind, wie man selber, wird es einem meist sogar noch deutlich bewusst, wie viel man in dieser Zeit „verpasst“. Aber ist „verpassen“ hierbei überhaupt das richtige Wort? Dank eines nahezu weltumspannenden Mobilfunknetz und des fast ebenso weit verbreiteten Internets werden Nachrichten in der heutigen Welt nahezu ohne Zeitverzögerung weitergeleitet und veröffentlicht. Während man noch vor zwanzig oder dreißig Jahren erst eine überregionale Zeitung kaufen musste, um zu erfahren, was am Vortag geschah, kann man heutzutage problemlos in Echtzeit Ereignisse weltweit verfolgen. Wahlen in Italien? Ein Raketenbeschuss in Syrien? Krieg in Mali? Piratenangriffe vor Somalia? Über all diese Ereignisse wird Zeitnah auf einer Vielzahl von Internetseiten berichtet. Da sich bei vielen Ereignissen die Berichte auf verschiedene Quellen stützen, ist es notwendig, sich durch einen guten Querschnitt der Berichte zu arbeiten, um ein gutes Bild der Situation zu erhalten. Dieses Einlesen in die Materie ist aber auch notwendig, um in dieser Informationsflut nicht vollkommen den Überblick zu verlieren. Denn die unglaubliche t Diversität des heutige Angebot an Nachrichten ist nicht nur positiv zu bewerten.

Bei vielen Personen, Jugendlichen wie auch Erwachsenen, herrscht der gefährliche Irrglaube, dass man heute deutlich besser informiert ist als vor zehn Jahren. In einem Land , in dem anscheinend fast jeder ein Smartphone besitzt und damit jederzeit neue Nachrichten lesen kann, mag dies offensichtlich erscheinen. Doch wird leider sehr häufig vergessen, dass zwar die Quantität der Nachrichten zugenommen hat, nicht jedoch unbedingt die Qualität. Da auch die großen überregionalen Zeitungen im Moment mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben, liefern auch sie sich auf ihren Webpräsenzen ein Rennen um die besten Storys. Häufig wird nicht lange recherchiert, sondern einfach gleich berichtet, damit man der erste ist, der die Story auf der Homepage hat. Dies steigert natürlich die Anzahl der Klicks und damit auch die Bekanntheit der Zeitung, ihre Werbeeinnahmen etc. Gerade bei komplizierten Sachverhalten, die eine differenzierte Betrachtung erfordern, macht sich häufig mangelnde Sorgfalt bemerkbar. Zwar gab es auch schon vor dem Zeitalters des Internets einen harten Wettbewerb um die beste Titelstory, aber dieser Wettbewerb hatte lange nicht die Intensität, die er heute hat. Dieser Wettbewerb sorgt zwar dafür, dass man immer auf dem neusten Stand ist, fordert aber gleichzeitig auch mehr Sorgfalt vom Leser, da dieser mehrere Quellen lesen muss, um sich eine halbwegs neutrale Meinung bilden zu können.

Wir leben in einer schnelllebigen Welt, dies zeigt sich auch in der Anzahl Nachrichten. Doch wie sehr wir abhängig von ihnen geworden sind, zeigt sich immer erst dann, wenn einem einmal die Zeit fehlt, sie zu lesen. In einer Informationsgesellschaft wie der unseren ist dies noch kein großes Manko, aber im persönlichen Umfeld wird man schnell feststellen, dass man immer öfter nicht mitreden kann. Aber da sich arbeitsintensive Phasen nun weder im Beruf noch in der Schule noch in der Universität vermeiden lassen, muss man entweder damit leben lernen oder den persönlichen Tag einfach um eine oder zwei Stunden verlängern. Doch spätestens mit Ende der entsprechenden Phase kann man wieder voll in den Wahnsinn dieser Welt eintauchen und sich darüber wundern, dass man dieses Chaos immer wieder haben muss.

Mehr Nachrichten!
Weniger Information?

Donnerstag, 31. Januar 2013

Überunterirdisches

Was macht man, wenn man einen Text findet, der so genial ist, dass man ihm nichts mehr hinzuzufügen hat? Man übernimmt ihn und nutzt ihn selber. Und man nennt natürlich den Autor des Textes, da es schließlich ihm ganz alleine zu verdanken ist, dass man so einen genialen Text gelesen hat. Stimmts' Herr Guttenberg?
Der folgende Text stammt von Julian Apostatas Blog "Unversöhnlichkeiten" und ist mit Abstand das genialste, was ich bisher zu diesem Thema gelesen habe! Vielen Dank deshalb noch einmal an ihn, dass ich diesen Text nutzen durfte!

 

Überunterirdisches

 
Es gehört auch zur Menschlichkeit, religiöse Gefühle zu verletzen. Die Welt wäre heute ein besserer Ort, wenn in der Geschichte mehr religiöse Gefühle verletzt worden wären, wenn man, anstatt vor dem Heiligen zu verstummen, es in den Dreck gezogen hätte.
Wie hätte ein Gott, der es nicht einmal verträgt, dass man über ihn lacht, die Kraft aufbringen können, eine Welt zu schaffen?

Vielleicht funktioniert die Religion nur deshalb, weil Gott immer schon tot ist. Dass er niemals antwortet und die Gebete erhört, macht gerade seine Zuverlässigkeit aus. Gott ist in seinem Schweigen sehr konsequent, konsequenter als jeder Sterbliche jemals sein könnte. Man weiß, was man hat, wenn man die Hände faltet: ein konsequentes Nichts. Wenn es Gott wirklich gäbe und er also auch zu antworten vermöchte könnte er den Gläubigen widersprechen. Aber würden sie das Wort eines lebendigen Gottes akzeptieren? Wenn er den Gläubigen geböte, nicht mehr an ihn zu glauben? Könnten sie ihm folgen? Wäre sie dazu überhaupt in der Lage? Solange Gott schweigt, kann man aus seinem Schweigen heraushören, was immer man will. Was aber, wenn er mit einer Zunge spräche?

Montag, 28. Januar 2013

Holocaust - Gedenktag



Seit 1996 ist der 27. Januar ein bundesweiter gesetzlicher verankerter Gedenktag für die Opfer des Holocausts. Im Jahr 2005 wurde dieser Tag von der UN sogar zu einem internationalem Gedenktag erklärt. Am 27. Januar 1945 befreite die vorrückende Rote Armee das größte und bekannteste Konzentrationslager des zweiten Weltkrieges: Ausschwitz. Und obwohl die Soldaten das ganze Grauen des Krieges schon erlebt hatte, wurden sie von dem , was sie in Ausschwitz erwartete, tief getroffen. Die Bilder, die dort und in anderen Konzentrationslagern gemacht wurden, müssen nicht beschrieben werden; sie gingen um die ganze Welt und zeigten deutlicher als jede Sprache es könnte, die Grausamkeiten, die dort geschehen waren. Doch diese Befreiung ist nun 72 Jahre her und die Judenverfolgung ist mittlerweile nicht nur in der Schule, sondern auch in den alltäglichen Medien,  ein ständig wiederkehrendes Thema. Aus diesem Grund werden immer häufiger Stimmen laut, die meinen, dass man die Vergangenheit endlich ruhen lassen sollte. Aber kennt man diese Vergangenheit überhaupt gut genug, um sie ruhen zu lassen?

Auf nationaler Ebene betrachtet, dürfte die weitere Erforschung des Holocausts keine überraschenden neuen Erkenntnisse mehr bringen. Die Hauptschuldigen, die bekanntesten unter ihnen, Himmler, Hitler und Heydrich, sind schon längst verurteilt worden. Über sie kann man auch nur noch schwer etwas erzählen, ohne nicht ständig wen anders zu zitieren. Auf nationaler Ebene ist die Aufarbeitung des Verbrechens Holocausts weit vorangeschritten, aber dies darf kein Argument dafür sein, dass man dieses Massaker an den Juden einfach vergisst. Wenn man jedoch anfängt, die nationale Ebene zu verlassen und seinen Blick erst über die einzelnen Bundesländer, dann über die einzelnen Kreise und schließlich über die einzelnen Städte und Dörfer innerhalb der Kreise streifen lässt, wird man feststellen, dass die Aufarbeitung des Holocausts noch lange nicht abgeschlossen ist. Natürlich wurde im Zuge der „Entnazifizierung“ in allen Orten ein kurzes Register aller im nationalsozialistischen Apparat tätigen Personen erstellt, aber Konsequenzen hatten diese Register, vor allem im ländlichen Raum, nur sehr selten. Der Gedenktag ist eine guter Grund dafür, dass man anfängt, sich mit der „braunen Geschichte“ der eigenen Stadt, des eigenen Dorfes vertraut zu machen. Das man seine Großeltern nach ihren Geschichten aus der Zeit während und kurz nach dem zweiten Weltkrieges fragt. Das man anfängt in der Stadtchronik zu blättern und dabei vor allem die Zeit von 1933  - 1950 im Auge hat. Wenn man damit anfängt, wird man häufig sehr schnell feststellen, dass viele Personen, die direkt oder indirekt für die Ermordung von Juden verantwortlichen waren, schon nach kurzer Zeit wieder öffentliche Ämter bekleidet haben. Das viele, die angeblich „entnazifiziert“ waren, wieder in Schulen oder in der Politik tätig waren. Das die Stadt gnadenersuche für Gemeindemitglieder geschrieben hat, die wegen ihrer Tätigkeit in Konzentrationslagern oder in der Waffe-SS inhaftiert wurden. Und er wird vor allem feststellen, dass es noch sehr viele „blinde Flecken“ auf der Landkarte dieser Zeit gibt. Häufig wird er erleben, dass die Frühgeschichte seiner Stadt oder seines Dorfes besser recherchiert ist, als die Zeit des Nationalsozialismus. Wenn dies der Fall ist, dürfte das meist daran liegen, dass man lieber den Opfern gedenkt, als über die Täter und ihre Motivationen nachdenkt.

Natürlich sollte man am Holocaustgedenktag an die Opfer dieses schrecklichen Massenmordes denken. Es wäre aber ein großer Fehler, die Täter dabei völlig zu vergessen. Denn ohne Täter gibt es keine Opfer! Der Holocaust hat die Menschheit gelehrt, dass in (fast) jedem Menschen eine Bestie schlummert, die unter bestimmten Umständen zum Leben erweckt wird und die sämtliche menschlichen Verhaltensweisen abgelegt hat. Viele der grausamsten Tyrannen in den Konzentrationslagern, aber auch innerhalb der SA oder SS wurden von Freunden als „liebevolle Familienväter“ beschrieben. Wenn sie nach dem Krieg im Zuge der Entnazifizierung zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, hieß es auf ihren Grabreden nicht selten, dass „er keiner Fliege etwas zuleide tun konnte“. Natürlich kann man Verblendung hinter diesem Gerede vermute, aber vermutlich steck auch ein kleiner Funke Wahrheit in diesen Sätzen. Kein Mensch ist nur böse, so gerne wir das auch annehmen. Doch sind die Taten, die die meisten dieser Personen begangen haben, zu bestialisch gewesen, um sie mit ihren guten Taten aufzuwiegen.

Ich habe das Gefühl, dass der Holocaust-Gedenktag vor allem von Jugendlichen kaum wahrgenommen wird. Dies ist sehr schade, da gerade junge Menschen häufig einen ganz anderen Zugang zu dem Holocaust und der NS-Zeit haben, als die älteren Generationen. Jugendliche setzen schneller andere Brennpunkte und trauen sich eher, auch die Täter zu betrachten, als es die meisten Erwachsenen tun. Und außerdem liegt es an den Jugendlichen zu verhindern, dass erneut ein Regime entsteht, dass Millionen von Menschen aufgrund ideologischer Verblendung ermordet. Denn die Personen, die heute noch den Opfern gedenken, werden in absehbarer Zeit nicht mehr da sein, um so einen Wahnsinn zu verhindern! 

Der Mensch ist des menschen Wolf!

(nach Titus Maccius Plautus/Thomas Hobbes)