Freitag, 18. November 2011

Wofür eigentlich kämpfen?


Absolute Wahnsinnsshow, im Fernsehen und im Radio, die Sonne lacht so schadenfroh, an Tagen wie diesen.
Diese Zeilen sind der erste Teil des Refrains des Liedes „An Tagen wie diesen“ von der Band „Fettes Brot“. Ich habe mit jedem weiteren Tag, mit jeder weiteren Woche, mit jedem weiteren Monat das Gefühl, dass dieses Lied absolut passend unsere Welt beschreibt. Wen man nur mal etwas aufmerksam in die Zeitung guckt oder Nachrichten hört, findet sich eigentlich jeden Tag wenigstens ein Ereignis, das entweder vielen Menschen das Leben gekostet hat oder noch vielen Menschen das Leben kosten wird. Oder man erfährt von besonders tragischen Einzelschicksalen, die auf ein besonders bescheuertes Verhalten von Menschen zurück zuführen sind. Sind wir Menschen wirklich so dämlich? Was muss passieren, dass wir aufwachen? Während die Revolution in Libyen von der Nato unterstütz wurde, lässt man in Syrien einfach zu, dass die Sicherheitskräfte einfach so Demonstranten abschlachten. Wieso greifen sie da nicht ein? Achso, man benötigt ja noch das Öl. Und außerdem möchte man ja nicht gleich die gesamte Region destabilisieren. Assad war ja eigentlich immer ein ganz netter Partner. Natürlich wird nie ein Politiker etwas in diese Richtung sagen, aber man benötigt lediglich etwas gesunden Menschenverstand, um zu verstehen, warum dort nicht wirklich eingegriffen wird. Geld ist ja bekanntlich mehr Wert als ein paar unbekannte, unbedeutende Menschen, die einige tausend Kilometer von uns entfernt elendig verrecken. Wenn von irgend einer Ölplattform wieder mal tausende von Tonnen Öl ins Meer sprudeln, ist das in erster Linie ein Problem an der Börse, weil das Unternehmen unter Umständen mit Regressansprüchen im Milliardenbereich konfrontiert wird. Das Geld kann vielleicht dem einen oder anderen Fischer helfen, sich ein anderes Leben aufzubauen, aber die Natur kann man mit diesem Geld nicht mehr reparieren. Und da Öl ja ein sehr gutes Mittel zum Geldverdienen ist, erlaubt man auch gleich wieder solche Bohrungen in Küstennähe. Was interessiert uns den die Natur? Wir haben ja schließlich noch eine neue Welt im Keller, oder irre ich mich jetzt? Das Atomkraft auf Dauer doch keine gute Idee ist, sollte eigentlich schon nach Tschernobyl allen klar geworden sein. Spätestens seit Fukushima müsste auch der letze Depp begriffen haben, dass wir die Geister, die wir damit gerufen haben, nicht mehr kontrollieren können. Geschweige denn, entsorgen können. Aber darum können sich ja die nächsten Generationen kümmern. Die sind dann ja noch jung und haben noch ihr gesamtes Leben vor sich! Das diese Generationen sich wahrscheinlich unglaublich über die Dummheit und die Gier der Menschen aufregen werden, die ihnen diesen Müll hinterlassen haben, interessiert anscheinend keinen. „Nach mir die Sintflut“, scheint das Motto unserer Tage zu sein. Achja, der Iran baut wieder mal Atombomben und Israel diskutiert über ein militärisches Eingreifen. Solche Schlagzeilen bringen mich auch immer wieder an den Rand des Wahnsinns. Warum müssen sich erwachsene Menschen darum kloppen, wer denn nun das schönere/schrecklichere Spielzeug hat? Und warum müssen diese Konflikte immer auf dem Rücken von unbeteiligten Menschen ausgetragen werden, die unter Umständen eine Witwe mit mehreren Kindern hinterlassen. Diese Menschen sterben viel zu häufig für Sachen, von denen sie wahrscheinlich gar nicht wirklich wissen, was sie davon halten sollen. Aber es sind ja schließlich nur Soldaten, man kann sie ja relativ leicht ersetzen. Diese Mentalität der Staatsführer finde ich einfach nur erbärmlich. Können sie sich nicht selber mit einer Keule die Rübe einschlagen? Es scheint mir so, als ob es auf der ganzen Welt kaum Menschen gibt, die wirklich probieren diese Zustände zu ändern. Warum gibt es nur so wenig Menschen, die Versuchen fairer als das Leben zu sein? Warum gibt es nur so wenig Menschen, die Idealistisch sind und für eine Idee und nicht für Macht oder Geld leben? Warum gibt es nur so wenig Menschen, die sich überlegen, ob ihre Visionen den Menschen helfen, oder ob sie Schaden verursachen? Warum gibt es nur so wenig Menschen, die auch einer unbekannten Person einfach mal helfen, ohne irgendwelche Hintergedanken zu haben? Warum bemühe ich mich eigentlich, irgendetwas zu ändern? Ich bin klein, unbedeutend, schwach und ich werde auch niemals eine Bedeutung erlangen. Lohnt es sich überhaupt, versuchen etwas zu retten, was schon lange verloren ist? Wofür geht man jeden Tag aufs neue Motiviert in das Leben, wenn man weiß, dass alle Durchhalteparolen lediglich für einen selber sind und keine Wirkung haben? Wofür bemüht man sich überhaupt? Wieso sind die Menschen so unglaublich dumm? 
We are the children the last generation 
We are the ones they left behind
Do we really have a chance?

Donnerstag, 17. November 2011

Emotionen-die schleichenden Killer der Rationalität


Evolutionstheoretisch betrachtet ist der Mensch lediglich ein kleiner, nahezu unbedeutender Zweig an dem riesigem Stammbusch der Säugetiere. Trotzdem hat die Menschheit es geschafft, sich die Welt weitestgehend Untertan zu machen. Diese nahezu unglaubliche Leistung hat sie im großen und ganzen lediglich einer kleinen Neuerung zu verdanken: Der Rationalität, dem Verstand, der Logik, wie auch immer man es bezeichnen möchte. Im Gegensatz zu den Tieren, die weitestgehend Instinktiv, also Emotional gesteuert sind, haben die Menschen die Fähigkeit, über ihre Taten zu Reflektieren und bestimmte Konsequenzen daraus zu ziehen. Das der Mensch ein relativ neues Produkt der Evolution ist, wird spätestens dann klar, wenn sich seine Emotionalität gegen seine Rationalität stellt.
Die Menschen haben sozusagen eine zweite Benutzeroberfläche, eine zweite Persönlichkeit bekommen, die sie, meist gekoppelt mit der emotionalen Persönlichkeit, sehr weit gebracht hat. Aber ist dieses System wirklich vorteilhaft? Wenn man sich zum Beispiel über ein gewonnenes Volleyballspiel freut, dann freut sich in der Regel der Verstand wie die Emotionalität über den Sieg. Beide Systeme funktionieren dann im Einklang und unterstützen sich gegenseitig. Die meisten Alltagssituationen sind derartig gestaltet, dass der Verstand und die Emotionalität gleichrangig agieren und so keinerlei Probleme entstehen. Auch im negativen Erfahrungsbereich ist diese Uniformität eher die Regel als die Ausnahme. Im Verlaufe eines Tages prasseln allerdings deutlich mehr emotionale Eindrücke auf einen Menschen ein, als dieser verarbeiten kann. Damit der Mensch damit nicht überfordert wird, filtert sein Verstand automatisch eine ganze Menge an Dingen heraus, die einen dann nicht unnötig belasten. Wie fein dieser Filter ist und was für Ereignisse er filtert ist anscheinend völlig individuell und kann sich extrem von Person zu Person unterscheiden. Interessant ist, was die meisten Menschen mit den Erlebnissen machen, die durch den Filter hindurch kommen und irgend eine Emotion erzeugen. Es scheint so, als ob die meisten Menschen diese Emotion sowohl als Emotion, als auch als Gedanke wahrnehmen und damit zulassen, dass ihre Rationalität zumindest teilweise eingeschränkt wird. Dies ist auch nichts, was man einem Menschen vorwerfen kann, solange er wenigstens sein Handeln teilweise von seinem Verstand kontrollieren lässt.
Was macht man aber, wenn man diese Beeinträchtigung der eigenen Rationalität nicht haben möchte? Sei es , weil man sich nicht mit dem Ärger in der Familie belasten möchte, sei es weil man nicht immer die Stimmen anderen Menschen, die sich über einen lustig machen, im Kopf haben möchte oder was für weitere Gründe es dafür noch geben mag. Man kann anfangen, mit seiner Rationalität eine Mauer zu bauen, die alle Emotionen, die man nicht explizit zulassen möchte, aus dem eigenen Kopf heraus hält. Es ist ein mühseliger Prozess, der viel Zeit und zumindest anfangs viel Konzentration in Anspruch nimmt. Wenn man nach einem oder zwei Jahren dann aber eine stabile Mauer aufgebaut hat, sieht man, dass sich die Mühe gelohnt hat. Das Leben wird einfacher, wenn man es Rational betrachtet und vieles, das einen vorher bedrückt hat, verliert einfach seinen Schrecken. Außerdem besitzt die rationale Persönlichkeit eine unglaubliche Triebkraft, die einen jeden Tag aufs neue motiviert und anspornt. Man nimmt viele Dinge aus einer anderen Perspektive wahr und sieht viel häufiger die unglaubliche Ironie, die im Leben steckt. Und man fängt an, seinen Kopf an bestimmte Dinge zu hängen. Es kann eine AG in der Schule, der Sportverein oder ein anderes Interesse sein, das sich wie ein Virus in den eigenen Kopf f frisst und einen immer wieder aufs Neue für dieses eine Interesse motiviert. Das einzige „Problem“ dabei ist, dass man nur sehr langsam von diesem Interesse wieder loskommt, falls man es überhaupt schafft, weil der Geist sich wirklich in Interessen verlieben kann. Man muss sich dafür nur mal Historiker angucken, die sich quasi ihr gesamtes Leben mit einem kleinen Ausschnitt aus einer bestimmten Epochen beschäftigen können.
Was aber passiert, wenn zu irgend einem geistigen Virus eine emotionale Komponente dazukommt? Und was passiert, wenn diese beiden Komponenten nicht mehr übereinstimmen? Wenn sich ein Gedanke einmal wirklich in die „DNA“ jeder Gehirnzelle geschrieben hat, ist er eigentlich nicht mehr aus dem Kopf zu verbannen. Er kann zu jeder Zeit wieder zuschlagen und einen verwirren, weil er den eigenen Gedankengang einfach unterbricht. Teilweise benötigt dieser Gedanke einen Auslöser, wie Beispielsweise einen bestimmten Ort, eine bestimmte Handlung oder ähnliches. Teilweise reicht aber auch schon ein Verstand, der nicht mehr ganz Aufmerksam ist, damit dieser Gedanke wieder Raum gewinnen kann. Die zu dem Gedanken gehörige emotionale Komponente kann die Mauer, die man so mühsam im Laufe der Zeit errichtet hat, einfach durchbrechen, weil der Gedanke sie durch die Mauer der Rationalität schleusen kann. Solange die emotionale Komponente aber mit der rationalen übereinstimmt, ist diese weiterhin kein großes Problem, weil man die Emotion dann schließlich bewusst erlebt und auch erleben will.
 Ein Problem entsteht erst, wenn man wenn man diese Emotion nicht mehr erleben will und/oder auch eigentlich nie erleben wollte. Wenn eine Emotion sich einfach so durch die Mauer gewühlt und sich in Form von Gedanken in die Rationalität des Menschen eingeschlichen hat. In diesem Fall ist es augenscheinlich sehr schwer, die Emotion wieder in ihre Schranken zu weisen. Das ist aber nicht das einzige Problem, denn durch den Durchbruch, den diese eine Emotion geschaffen hat, drängen nun auch all die Emotionen, die man sorgsam abgeblockt hatte. Sie suchen sich einen Weg durch die Mauer, vergrößern das Loch oder schaffen neue Risse, sodass die Rationalität des Menschen alle Hände voll zu tun hat, dies zu verhindern. Wenn noch erschwerend  hinzukommt, dass man Emotional ausgebrannt und erschöpft ist, steht die Rationalität vor einer sehr schwierigen Aufgabe. Zum einen muss sie nun alleine für die notwendige Motivation sorgen, zum anderen muss sie immer mehr Kraft aufwenden, um die Emotionen überhaupt wieder in den Griff zu bekommen.
 Wie viel Kraft kann die Rationalität eines Menschen haben? Es scheint, als ob die Energiereserven der Rationalität sehr, sehr groß sind, aber auch sie sind irgend wann erschöpft. Und wenn selbst der Verstand nicht mehr dafür sorgen kann, das die Emotionen da bleiben, wo sie hingehören, nämlich NICHT in den Kopf, dann verschwindet die Fähigkeit zur rationalen Betrachtung der Welt allmählich. Es ist irgendwie Ironie des Schicksals, das ausgerechnet die Gefühle, denen man eigentlich das größte positive Potential zuspricht, dazu führen können, das ein Mensch seine sorgsam errichtete Mauer verliert und damit auch den größten Teil dessen, was sein Leben lebenswert gemacht hat. Denn wenn man die Mauer einmal errichtet hat, kann man sie nur noch einreißen, wenn man bereit ist, vollständig in seinen Emotionen zu ertrinken und die zuletzt nur noch schwache Glut der Rationalität für immer verlöschen zu lassen. Und selbst wenn es noch nicht soweit ist, stellt sich immer die Frage, wie lange die Mauer noch hält, wenn sie einmal durchbrochen wurde. Stellt sich immer die Frage, bis zu welchem Grad der Einschränkung des Verstandes sich das Leben noch lohnt.    
Never give up!
'Cause life is worth fighting for 

Samstag, 12. November 2011

Wann kommt der Tod?

Die Schlacht gewonnen, doch der Krieg ist verloren
Der Virus floh mit wildem Gelächter
Versteckt sich im Code jeder meiner  Zellen, bereit
Bei jeder Schwäche des Verstandes erneut
Loszuschlagen, zu morden, zu töten, zu ruinieren.
Zwar ist das Blut rein, aber
Nur solange der Verstand wacht; und:
Nur zwischen dem grauen und dämmern,
nur in allzu kurzer Zeit
Wacht der Verstand! ( Selbst dann: Nachlässigkeit!)
Jedes Mal, wenn er für einen kurzen Augenblick,
nachlässig wird und schläft,
reißt der Virus ein neues Loch in die Mauer,
die in fünf mühsamen Jahren sorgsam errichtet
Die für Wohlstand sorgte. Für Logik. Für Rationalität.
Jeden Tag neue Risse,
der Verstand kann sie kaum noch überblicken.
Verzweiflung! Angst! Furcht! Hoffnungslosigkeit!
Wann bricht die Logik, gedacht als des Menschen Schutze?
Wann breche ICH, vertrauend auf der Logik trutze?
Wann sterbe ich, durch feige Diebeshand,
gefangen in einem fremden Land?

Freitag, 4. November 2011

Sehr geehrte Mitmenschen! Liebe Asylanten und Flüchtlinge!


Asylant. Flüchtling. Asylbewerber. Vertriebener. Immigrant. Wirtschaftsflüchtling. Nicht-Bürger.

Es gibt viele schöne Klassifizierungen für Menschen, die oben genannten gehören zu meinen Lieblingen! Es vergeht fast keine Woche in der nicht irgend ein Politiker sich über Menschen äußert und einen dieser Begriffe gebraucht. Es ist dann häufig auch die Rede von „ungebremster Einwanderung“, „Überfremdung“ und von „Integration“ und „Eingliederung in unser Gesellschaftssystem“. Einige dieser Artikel rufen neue Debatten über die Integration von „diesen“ Menschen wach, andere verlieren sich in endlos langen Debatten über das Für und Wider von Einwanderung. Doch kaum ein Artikel beschäftigt sich auch mal mit den Menschen, um die es eigentlich geht. Es scheinen viele Menschen, allem voran Politiker und Publizisten, noch nicht verstanden zu haben, dass ein Asylant oder ein Flüchtling auch ein Mensch ist. Asylanten werden auch zur Gattung der „Homo Sapiens“ gezählt und verfügen über den gleichen Grundbauplan wie jeder andere Mensch auch! Das sind keine Aliens!! Allerdings hat man irgendwie den Eindruck, dass das viele Menschen noch nicht wahrhaben wollen. Es scheint dieser Gesellschaft einfach egal zu sein, was mit Menschen passiert, die das Attribut „Immigrant“ oder „Asylant“ tragen. Natürlich gibt es immer wieder ein schönes Medienecho wenn mal wieder rechte Idioten ein Asylantenheim anzünden, aber in der Regel interessiert sich keiner für die Geschichten dieser Menschen, sondern lediglich die Täter und die Tat selber werden erwähnt. Ich verstehe dieses Verhalten einfach nicht. Es ist mir unbegreiflich, wie man vergessen kann, dass sich hinter jedem dieser Attribute eine Lebensgeschichte verbirgt. Von vielen Politikern werden die Eltern Flüchtlinge gewesen sein, die aus dem Gebiet des heutigen Russlands und Polen kamen. Trotzdem verstehen sie nicht, dass die Flüchtlinge, mit denen sie heute zu tun haben, auch Menschen sind. Statt ihnen eine Möglichkeit zu geben, sich in unser System zu integrieren, werden sie in Lagern gesammelt, ohne die Möglichkeit Deutsch zu lernen, ohne Arbeiten zu dürfen, ohne Hoffnung als Mensch gesehen zu werden. Sie müssen auf Essensmarken warte und haben häufig kaum Privatsphäre. Ohne Rücksicht auf Alter oder Gesundheit werden die Menschen dazu gezwungen, zum Teil sehr weite Wege zur nächsten Einkaufsgelegenheit zurückzulegen. Mit vier, fünf oder sechs Personen müssen sie in einem Raum schlafen und können sich nicht zurückziehen, wenn sie mal Ruhe brauchen. Wenn von diesen „Asylanten“ oder „Asylbewerbern“ geredet wird, redet keiner von Menschen, noch nicht einmal von Personen. Es sind gestaltlose Attribute, über die Verhandelt wird. Ich kann verstehen, dass dies viele Menschen Angst vor diesen fremden Menschen haben, und diese Angst ist teilweise auch berechtigt, doch ändert dies nichts an der Tatsache, dass es MENSCHEN sind. Die meisten von ihnen haben Dinge erlebt, für die man in Deutschland nach einem Besuch beim Psychologen wahrscheinlich für den Rest seines Arbeitslebens krankgeschrieben würde, aber sie sind nicht daran zerbrochen. Sie haben häufig die Hoffnung auf ein Leben ohne Angst vor einem plötzlichen oder gewaltsamen Tod und diese Hoffnung gegen ihr gesamtes altes Leben ausgetauscht. Die meisten von ihnen kommen nach Deutschland und wollen Arbeiten. Und wenn sie das Büro der Ausländerbehörde wieder verlassen, schütteln sie den Kopf, weil ihnen gerade gesagt wurde, dass sie zwei Jahre lang nicht arbeiten dürfen! Es wurde ihnen verboten zu arbeiten. Und nach diesen zwei Jahren wird einem deutschem Bewerber der Vorzug gegeben, wenn zwischen einem Asylanten und deutschem Staatsbürger entschieden werden muss. Sie werden damit zu Menschen 2. Klasse degradiert und im Prinzip aus unserem sozialem System ausgeschlossen, weil man gerade über seine Arbeit mit sehr vielen Menschen in Kontakt kommt. Wenn man all diese Informationen an Menschen in meinem Alter weitergibt, bekommt man nur ein desinteressierte Geste als Reaktion. „Es sind doch nur Ausländer!“ „Die hätten doch auch zu Hause bleiben können.“  „Was interessieren mich Asylanten?“  Es ist schockierend und frustrierend zugleich, wenn es anderen Menschen völlig egal ist, wenn in einem Rechtsstaat wie Deutschland Menschen zu Personen 2. Klasse degradiert werden. Es ist eigentlich an der Zeit, das sich die „legalen deutschen Staatsbürger“ dafür einsetzen, dass alle Menschen die gleichen Rechte bekommen, die ihnen von der Verfassung garantiert werden. Eigentlich müsste darauf aufmerksam gemacht werden, dass jeder Mensch die gleichen Rechte hat und dass die Menschenwürde nicht an Staatsbürgerschaften gebunden ist. Aber es wird nichts dergleichen passieren. Es wird sich weiterhin über „Asylanten“ und „Immigranten“ aufgeregt und man wird weiterhin vergessen, dass dies auch Menschen sind, die Gefühle haben, die Hoffnungen haben. Alles andere wäre ja auch zu anstrengend und „uncool“. Die Menschenwürde von den „Asylanten“ liegt in den Händen von Menschen, die genug andere Probleme haben, wie die Wahl ihrer Kleidung oder die aktuellen Trends. Man kann sich ja nicht um alles kümmern…
 Wir haben die Möglichkeit die Welt zu verändern!
Aber wen interessiert so etwas schon?

7 Milliarden-unendliches Wachstum?


7 Milliarden Erdenbürger sind wir inzwischen geworden und jede Sekunde kommen statistisch gesehen 2,6 weitere dazu. Für viele Organisationen und Menschen war die Ankunft des symbolischen 7 Milliardsten Menschen ein Grund zur feiern und stellte ihn ihren Augen wahrscheinlich auch wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis, dass sämtliche Katastrophenszenarien, die das Aussterben der Menschheit an einer bestimmten Bevölkerungszahl  sich bis jetzt als falsch herausgestellt haben. Allerdings ist die Euphorie in meinen Augen völlig fehl am Platze. Ich will gar nicht bestreiten, dass es der Menschheit gelungen ist, 7 Milliarden Individuen auf unserem Planeten zu platzieren, aber es kann  mir keiner Erzählen, dass diese Menschen alle ein menschenwürdiges Leben führen können. Ungefähr 1 Milliarde Menschen hungern laut Angaben der UNO und unzählige Menschen leben in ständiger Angst vor plündernden Milizen, den Launen der Natur, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes „zu nahe am Wasser gebaut“ haben, vor willkürlichen Verhaftungen durch die Polizei oder vor Anhängern einer anderen Religion. Platz gibt es zweifelsohne genug, um auch 10 oder 15 Milliarden Menschen unterzubringen, aber Leben können diese Menschen dann nicht mehr wirklich. Global scheint der Trend dahin zu gehen, dass alles immer weiter wachsen muss. Wenn die Wirtschaft nicht um wenigstens zwei Prozent wächst, hat ein Staat wirtschaftliche Probleme. Wen ein Unternehmen stagniert, fallen die Börsenkurse in Bodenlose. Hört die Bevölkerung eines Staates auf zu wachsen, ist dies eine kleine Katastrophe. Wächst die Produktivität eines Individuums nicht mehr, wird es aus einem Unternehmen gefeuert. Wachstum, koste es was es wolle, ist die Devise unserer Zeit. Dabei wird eine kleine Kleinigkeit gerne übersehen. Wenn man eine Bakterienkolonie auf eine ideale Nährlösung setzt, beginnt innerhalb recht kurzer Zeit ein exponentielles Wachstum. Dieses Wachstum lässt sich gut mit einer Parabelförmigen Kurve beschreiben. Irgendwann ist der Scheitelpunkt erreicht. Der danach folgende Abstieg führt nicht nur zu einer vollständigen Einstellung des Wachstums in der Petrischale, sondern endet in dem Tod der gesamten Kolonie, weil die gesamte Nahrung aufgebraucht ist und sie sich mit ihren eigenen Ausscheidungen vergiften. Wir Menschen sind auf dem besten Weg es diesen kleinen, unbewussten Lebewesen gleichzutun, obwohl wir uns durchaus über den Ernst der Lage im klaren sein könnten. Jede Sekunde muss Nahrung, Raum und Sicherheit für 2,6 weitere Menschen bereitgestellt werden. Jede Sekunde müssen also all die Güter, die diese neuen, kleinen Menschen benötigen, produziert werden. Jede Sekunde muss also die Wirtschaft wachsen! Natürlich kann man sarkastisch sein und sagen, dass sowieso alle drei Sekunden ein Mensch, meistens ein Kinde, verhungert und der Aufwand dadurch reduziert wird, aber trotzdem wächst die Bevölkerung weiter. Es gibt genug Nahrung für 7 Milliarden Menschen, sie müsste nur in den richtigen Ländern angebaut werden, es gibt genug Wasser für 7 Milliarden Menschen, die Quellen müssten nur an den richtigen Stellen sein, es gibt genug Platz für 7 Milliarden Menschen, sie müssten nur an den richtigen Orten wohnen…
Es gibt keinen Grund zu feiern. Aufgrund der unendlichen Beschränktheit der meisten Menschen kann es keine Welt mit 7 Milliarden Menschen geben, in der alle Menschen halbwegs Angstfrei leben können. Die theoretische Möglichkeit all diese Menschen zu ernähren, zu kleiden oder zu beschützen lässt sich nicht in die Realität übertragen. Jeder weitere Mensch bedeutet, statistisch gesehen, weiteres Leid und weitere Probleme. Falls die Menschheit dies nicht schleunigst begreift und einsieht, dass unendlicher Wachstum eine Illusion ist, wird sie wahrscheinlich in einem geologisch gesehen sehr kurzem Zeitraum zu einer der unzählbaren ausgestorbenen Arten gehören. Sie wird allerdings die erste Art sein, die ihr Aussterben selber zu verantworten hat und sehenden Auges in die Katastrophe geraden ist. Vielleicht schwindet in den letzten Jahren der Menschheit ja die Arroganz gegenüber den Mitmenschen und vielleicht fängt sie dann an, sich um ihre Probleme zu kümmern. Doch dann wird es wahrscheinlich schon viel zu spät sein um den Untergang noch abwenden zu können. Vielleicht haben wir gerade mit dem 7 Milliardsten Erdenbürger die dünne rote Linie überschritten, ab der es kein Zurück mehr gibt. Vielleicht waren wir von diesem Tage an chancenlos und konnten den Untergang nur noch verzögern. Vielleicht war dieser Tag aber auch das Aufwecksignal für einige, sich mit den Problemen unseres unendlichen Wachstumsdranges zu beschäftigen. Die Antwort darauf liegt in der Zukunft, doch auf sie können wir nicht warten! 

7 Milliarden mal Probleme?
7 Milliarden mal Hoffnung?