Donnerstag, 16. Februar 2012

AG-Pflicht an Schulen?


Wenn jemand aufschreiben soll, was unbedingt zu einer Schule gehört, wird man wahrscheinlich Lehrer, Hausaufgaben, Unterrichtsräume und ähnliches hören. Etwas, dass viele Menschen leider vergessen, sind die AGs. Wenn man sich einen „Tag der offenen Tür“ an einer Schule ohne eine einzige AG vorstellt, wird man feststellen, dass diese Schule erschreckend leer sein wird. Die AGs sind die Seele einer jeden Schule! Sie verleihen der Schule ein Gesicht nach außen, in dem sie sie zum Beispiel auf Turnieren, Wettkämpfen oder über andere Aktionen repräsentieren. Die Schüler, die in diesen AGs organisiert sind, sind normalerweise über einen Gemeinschaftsgeist verbunden, der  häufig auch noch im schulischen Alltag zu spüren ist. Außerdem bekommen sie einen Einblick in das System „Schule“ und können nachvollziehen, wie Entscheidungen innerhalb der Schule getroffen werden. Doch trotz all dieser Vorteile, die AGs für Schüler bieten, werden sie nur in einem relativ geringen Umfang von den Schülern wahrgenommen. Ein möglicher Grund hierfür könnte die Schule selber sein. Es ist natürlich von jeder Schule gewünscht, dass die Schüler möglichst wenig Unterricht verpassen und das möglichst der alle vorgeschriebenen Stunden unterrichtet werden können. Aber diese Forderung an den Schüler kollidiert zwangsläufig mit den Aktionen vieler AGs, die teilweise innerhalb der Unterrichtszeit stattfinden. In den meisten Fällen sind die AG-Aktivitäten in den Nachmittag gelegt und normalerweise bemüht man sich auch, möglichst wenig Unterricht ausfallen zu lassen, aber ab und an bleibt dies nun einmal nicht aus. Trotzdem wird dies häufig von der Schulleitung kritisiert. Diese Kritik bekommen natürlich auch die Schüler der AG zu spüren und häufig sinkt mit jeder dieser Kritiken dann auch die Motivation der beteiligten Schüler. Deshalb ist es auch nachvollziehbar, wenn Schüler sagen, dass sie keiner AG beitreten wollen, weil ihre Arbeit dort sowieso nicht geschätzt wird. Ein anderes Problem, dass AGs generell haben ist, dass sie zwangsläufig nach der Schule stattfinden müssen. Wenn man nur sechs Stunden hat, ist man noch gewillt 45 oder 90 Minuten für etwas, das einen wirklich interessiert, in der Schule zu bleiben. Wenn man aber acht oder zehn Stunden hat, möchte man  nur noch nach Hause und sich nicht noch mit irgendwelchen AGs abgeben. Dieses Problem wird in Zukunft leider deutlich zunehmen, da die Politik schon seit längerem darauf hin arbeitet, dass sämtliche Schulen zu Ganztags-Schulen werden und man dann immer bis weit in den Nachmittag Unterricht hat. Außerdem sind diese Schulen der Tod von Musikschulen und Vereinen, aber das ist ein anderes Thema. AGs nützen einer Schule eine Menge, was tut die Schule also um AGs zu erhalten und zu fördern? Man kann keine verallgemeinernde Aussage zu dieser Frage treffen, aber in vielen Fällen scheint es so zu sein, dass die AGs einfach ein angenehmer Bestandteil der Schule sind, um den sich aber nicht großartig gekümmert wird. Sie werden nicht besonders beworben, sie werden nicht besonders gefördert, sie werden einfach sich selbst überlassen. Ich halte diese Verfahrensweise für kein großes Problem, da jede sinnvolle AG auch ohne große Unterstützung der Schulleitung existieren können sollte. Allerdings ist diese Verhaltensweise der Schulen auch weit davon entfernt ideal zu sein.
Neben dem positiven Effekt, den ein reges AG- Leben für die Schule hat, gibt es aber auch einen positiven Effekt für die Schüler der AGs. Normalerweise hat man als Schüler keinen wirklichen Einblick in die Hierarchien der Schule. Man weiß zwar, wer der Schulleiter und der Stellvertreter ist, aber damit ist das Wissen über das System Schule auch schon erschöpft. Wer wirklich Macht hat, welche Lehrer wichtig sind und welche Lehrer sich um bestimmte Probleme kümmern, erfährt man erst, wenn man in einer AG ist. Viele Entscheidungen, die von den Lehrern getroffen werden, kann man dann zumindest nachvollziehen, auch wenn man sie nicht verstehen kann. Vielleicht hat man aber auch den Mut, sich mit einem Lehrer über diese Entscheidungen auseinanderzusetzten. Dies ist ein weiterer wichtiger Punkt einer AG. Man lernt, dass man Dinge ändern kann, wenn man sich für sie einsetzt. Und da man in einer AG immer in einer Gemeinschaft mit mehreren ist, kann man auch als Gruppe auftreten und somit meistens mehr erreichen als ein einzelner. In AGs kann man Selbstbewusstsein lernen! Außerdem können die Aktivitäten einer AG  einem unter Umständen die Augen für Probleme öffnen, die man vorher nie gesehen hatte. Man stellt beispielsweise fest, dass die Schule einen Computerraum für die Schüler hat, diesen Raum aber nicht für die Schüler freigibt. Dann kann man anfangen aktiv zu werden. In der Schülerzeitung könnte man zu Beispiel über diesen Missstand berichten, die SV könnte probieren, die Gründe für die Blockade herauszufinden und dann entsprechend dafür zu sorgen, dass diese Gründe beseitigt werden. AGs sind das wichtigste für die politische Mitarbeit der Schüler in der Schule! Es ist sicherlich schon deutlich mehr positives an Schulen durch Projektgruppen, die von Schülern ins Leben gerufen, oder hauptsächlich unterstützt wurden, passiert, als durch die Entscheidungen der Lehrer. Dies liegt nicht einmal unbedingt daran, dass die Lehrer kein Interesse an den Schülern hätten. Viele Lehrer sind sehr engagiert und bemühen sich wirklich um die Schüler. Es liegt einfach daran, dass die Lehrer aus einer anderen Perspektive auf die Dinge gucken und so teilweise die Belange der Schüler einfach übersehen. Diese Belange können bestimmte AGs sein, sie können aber auch über AGs aufgedeckt und eingefordert werden!
Es gibt einige Schulen, die das Potential, das in AGs steckt, erkannt haben und gut nutzen wollen. Diese Schulen haben häufig eine AG-Pflicht eingeführt. Natürlich werden die meisten Schüler eine Pflicht-AG als Unterricht empfinden und wenig begeistert davon sein, aber ich könnte mir eine Version dieser AG-Pflicht vorstellen, die auch die Mehrzahl der Schüler akzeptieren können. Die meisten AGs, die ich kenne, werden vor allem von den jüngeren Schülern, also den Fünft- und Sechstklässlern am Leben erhalten. Ein Großteil dieser Schüler verlässt die AG nach einem oder zwei Jahren, aber ein kleiner Teil bleibt der AG ihr ganzes „Schulleben“ lang treu. Dies ist auch notwendig, da nur noch sehr wenig Oberstufenschüler sich für dafür entscheiden, einer neuen AG beizutreten. Warum also nicht eine AG-Pflicht für die Erprobungsphase einführen, um den Schülern zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch nicht so viele Stunden haben, das AG-Wesen nahezubringen. Wenn die Schüler nach den zwei Jahren entscheiden, dass sie keine Lust mehr auf die AGs haben, dann können sie sich einfach aus der AG zurückziehen. Wenn sie aber Lust an ihrer AG gefunden haben, können sie diese AG natürlich auch weiterhin belegen. Dieses Prozedere wäre ein Gewinn für alle, da jeder Schüler einmal Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit anderen, dem Zusammenspiel des Lehrer und anderen, AG- spezifischen Sachen sammeln konnte. Die Fähigkeit, ein guter „Teamplayer“ zu sein wird in unserer Arbeitswelt immer wichtiger. Durch die Teilnahme an einer AG können Schüler schon früh lernen, sich in eine Gruppe einzufügen. Außerdem werden sie wahrscheinlich etwas selbstbewusster, da sie etwas gemacht haben, auf das sie stolz sein können. Außerdem haben die Schüler dann schon sehr früh gelernt, dass sie etwas erreichen, etwas verändern können, wenn sie sich dafür einsetzten. Ich würde eine AG-Pflicht in den fünften-, und sechsten Klassen aber nur unterstützen, wenn auch genug AGs angeboten werden, die die Schüler auch interessieren. Allerdings glaube ich, dass dies in den seltensten Fällen der Fall sein wird und eine AG-Pflicht nach diesem Maßstab somit nur theoretisches Konstrukt bleiben wird.  

Nur wenn du etwas tust, wirst du etwas verändern!

1 Kommentar:

  1. "Dieses Problem wird in Zukunft leider deutlich zunehmen, da die Politik schon seit längerem darauf hin arbeitet, dass sämtliche Schulen zu Ganztags-Schulen werden und man dann immer bis weit in den Nachmittag Unterricht hat. "

    Da kann ich nicht zustimmen, natürlich hat man so lange Unterricht aber da sind die AGs integriert. Zumindest auf den zwei Schulen wo ich war und an allen Schulen der Kommunen die ich kenne.

    Ich war immer in Pflicht-AGs die aber auch Spaß gemacht haben. Ich habe selbst 2 Jahre lang AGs geleitet, im letzten Jahr sogar eine recht große. Dort bin ich mit (meist) 7.Klässlern ins Altenheim gegangen wo sie Paten hatten mit denen sie sich beschäftigt haben. Leider ist die AG versandet als ein anderes Mädchen sie übernommen hat als ich meinen Abschluss gemacht habe.

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