Dienstag, 9. Juli 2013

Demokratie = Demos kratos?



Dass sich das Wort Demokratie aus dem  griechischen „Demos“ für „Volk“ und „Kratos“ für „herrschen“ zusammen setzt ist für die meisten Personen keine Neuigkeit. Über die Bedeutung dieser „Herrschaft des Volkes“ herrscht jedoch schon eine größere Uneinigkeit. Zwar sind sich noch fast alle darüber einig, dass das Volk jemanden für eine gewisse Zeitspanne als Herrscher wählt, aber was für Rechte es abgesehen von dieser Wahl noch hat, ist offensichtlich schon etwas, worüber man sehr gut streiten kann. Die aktuelle Situation in der Türkei, Brasilien und in Ägypten sind sehr gute Beispiele dafür, wie viel „Volksherrschaft“ überhaupt geduldet wird.

In der Türkei entwickelte sich aus einem kleinen, eigentlich unbeachteten Protest für den Erhalt eines  Parks mitten in Istanbul eine fast schon ausgewachsene Rebellion gegen die Politik Erdogans. Der ursprüngliche Protest wurde sehr schnell von der Polizei mit massiver Gewalt angegangen, da solche Proteste in der Türkei anscheinend nicht erwünscht sind. Im Zeitalter der modernen Medien ist ein massiver Polizeieinsatz gegen friedliche Demonstranten jedoch eine sichere Methode um den Protest aufzubauen. So kam es dazu, dass es nach relativ kurzer Zeit nicht mehr vorrangig um den Park ging, sondern sich zehntausende Menschen versammelten, um gegen all die Dinge zu Demonstrieren, die ihnen an der momentanen Regierung der Türkei nicht passen. Die Polizei versuchte auch diese Massenproteste gewaltsam aufzulösen, aber sie scheiterte immer wieder an der schieren Masse der Personen. Dass sie es letztendlich doch geschafft hat, die Proteste aufzulösen, ist einem sehr massiven Einsatz von Gewalt und wahrscheinlich auch einem nachlassendem Interesse der Demonstranten zu verdanken. Die Medienauftritte von Erdogan im Laufe dieser Proteste, in denen er die Demonstranten abwertend bezeichnete und sie teilweise auch offen beschimpfte, zeigten deutlich, dass Erdogan die Linie der Polizei stützte. Wenn sich eine Person gegen den so eindeutigen Willen eines recht großen Teils der Bevölkerung stellt, ist dies eine bestimmte Auffassung von Demokratie, die uns aber auch in Europa immer wieder Begegnet: „Demokratie“, also eine Mitwirkung des Volkes an der Politik, wird nur so lange geduldet, wie sie für einen selber angenehm ist. Wird sie unangenehm, muss das Volk eben wieder auf seinen Platz verwiesen werden. Es wird auch nicht mit den Demonstranten diskutiert, da man ja noch gewählt ist und man kann nur durch die nächsten Wahlen aus dem Amt gewählt werden kann.

In Brasilien waren soziale Missstände, wie die Erhöhung der Bustarife und die Korruptionsskandale, die vor dem Confed-Cup bekannt wurden, Auslöser für die Massenproteste. Auch hier war die Polizei sehr schnell mit Wasserwerfen und Gummigeschossen zur Stelle, wurde jedoch nach einem oder zwei Tagen von der Regierung wieder gebremst und zur Mäßigung aufgerufen. Zwar gab es auch in Brasilien weiterhin jeden Tag verletzte, aber die Gewalt hielt sich in Grenzen, und das auf beiden Seiten. Dies dürfte zu einem großen Teil daran liegen, dass die Präsidentin, Dilma Rousseff, sehr schnell auf die Wünsche und Forderungen der Demonstranten eingegangen ist und die Organisatoren der Proteste zu sich eingeladen hat. Anstatt auf Härte und Konfrontation setzte sie auf Verständnis und Deeskalation. Diese Art der Politik wird mit Sicherheit nicht nur etlichen Menschen das Leben gerettet habe, die sonst in den Protesten umgekommen wären, sondern setzte auch ein sehr deutliches Zeichen an die brasilianische Bevölkerung: Wir, die Regierung Brasiliens, nehmen euch ernst und sind uns unserer Pflichten euch gegenüber durchaus bewusst. Für die brasilianische Präsidentin gehören friedliche Demonstrationen also ganz offensichtlich zu einer funktionierenden Demokratie dazu. Auch die Tatsache, dass sie kurz nach den ersten heftigen Protesten einen „großen Pakt“ für ein besseres Brasilien ankündigte bedeutet, unabhängig davon, ob er nun umgesetzt wird oder nicht, dass sie die Wünsche der Demonstranten zumindest ernst nimmt. Hier wird ein vitaleres und offeneres, ein direkteres Demokratieverständnis gelebt.

In Ägypten ist Präsident Mursi knapp ein Jahr nach seiner Wahl vom Militär gestürzt worden. Auf den ersten Blick kann man das für einen einfachen Putsch halten, aber bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass das Militär den Willen eines großen Teiles der Bevölkerung sehr radikal umgesetzt hat. Schon einige Tage vor dem ersten Jahrestag von Mursis Wahl begann eine Welle von großen und teilweise auch gewalttätigen Protesten gegen ihn. Diese Proteste bekamen von Tag zu Tag mehr Zulauf und am Jahrestag von Mursis Amtseinführung demonstrierten in ganz Ägypten mehrere hunderttausend Menschen gegen ihn. Ihre Forderung, das Mursi sein Amt aufgibt und es Neuwahlen gibt, wurden von Mursi abgelehnt, da er schließlich für vier Jahre gewählt wurde. Dass das Militär den Willen eines großen Teiles des Volkes nun so radikal und schnell umsetzt, ist nicht unbedingt gut zu heißen, aber es wird so immerhin ein Neuanfang ermöglicht.

Brasilien, Türkei und Ägypten: Drei unterschiedliche Staaten mit drei vollkommen unterschiedlichen Demokratieverständnissen. Und ein Vergleicht dieser drei Staaten mit einem beliebigen anderen demokratischen Staat würde noch viele weitere Unterschiede aufzeigen. Es ist also sehr deutlich zu erkenne, dass es eigentlich gar keine genaue Definition davon gibt, was man noch als Demokratie bezeichnen kann. Vielmehr ist es eher eine subjektive Angelegenheit, die dem jeweiligen Beobachter eine Menge an Interpretationsfreiraum lässt. Und es zeigt sich auch deutlich, dass eine Demokratie nur in den seltensten Fällen wirklich demokratisch; eine echte Demokratie vielfach sogar vollkommen unerwünscht ist. Außerdem ist es vielleicht auch mal interessant darüber nachzudenken, dass Demokratien meistens nicht viel mit „Mehrheitsherrschaft“ zu tun haben, ganz zu schweigen von „Volksherrschaft“.

Um Bundeskanzler in Deutschland zu werden, reicht eine einfache Mehrheit. Wenn man nun 55 % der Stimmen hat, aber nur 70,78 % der Wahlbeteiligten wählen ( Wahlbeteiligung Bundestagswahl 2009) dann ist nicht wirklich eine Vertretung der Mehrheit des Volkes. Beinah alle Demokratien weltweit, mit Ausnahme der Länder, die eine Wahlpflicht haben, werden von Parteien regiert, die auch gemeinsam nicht die Mehrheit des Volkes repräsentieren. Ob man dies gut oder schlecht findet, ist einem selber überlassen. Auch lassen die meisten Demokratien dem Volk nur wenige Möglichkeiten sich direkt an die Regierung zu wenden. Volksentscheide auf Bundesebene sind nicht nur in Deutschland nicht möglich. Und trotz allem funktioniert die Demokratie bei uns in Europa noch ziemlich gut. Dass die Geburt dieser Art der Demokratie enorm schmerzhaft und brutal war, haben die meisten von uns schon wieder vergessen. Dass im Rahmen der französischen und anderen Revolutionen teilweise Ströme von Blut durch die Straßen flossen, wird gerne wieder verdrängt. Wenn jetzt in Staaten wie Ägypten oder Libyen nach einem oder zwei Jahren noch keine stabilen demokratischen Strukturen entstanden sind, ist das für viele Menschen ein Zeichen dafür, dass die vorherige Diktatur doch deutlich besser war. Sie sagen das, in dem Wissen, dass es in ihrem Land gut zwei Jahrhunderte gedauert hat, bis es endgültig eine praktikable Form der Demokratie gefunden hat.

Wir bezeichnen uns als Demokraten, aber sind wir wirklich „demokratisch“? Haben wir verstanden, wie wir regiert werden, wie wir regieren? Können wir wirklich von anderen Ländern verlangen, dass in wenigen Jahren hinzubekommen, wofür wir Jahrhunderte benötigt haben? Wir sind ganz schön komische Demokraten!

Alle Macht dem Volk!! - ??
Niemand kann dem Volk die Macht nehmen!

Montag, 1. Juli 2013

Masterplan für Syrien



Der Bürgerkrieg in Syrien ist nun fast schon vollständig aus den deutschen, aber auch aus den internationalen Medien verschwunden. Wenn wieder eine große Offensive ansteht oder Assad wieder an Boden gewonnen hat, wird zwar noch darüber berichtet, aber für Seite eins und für das aktuelle Tagesgeschehen reicht es nicht mehr. Und nach dem die Rebellen nun auf dem Rückzug sind und die Amerikaner angefangen haben, Waffen zu liefern, wird sich dieser Krieg wahrscheinlich zu einem sehr lange währenden Konflikt entwickeln, der auch nach dem Eintreten einer Waffenruhe das Volk noch für mehrere Generationen spalten wird. Um das zu verhindern, habe ich einen kleinen aber feinen 5 Punkte- Masterplan entwickelt!

1. Die Aberkennung sämtlicher nationaler und internationaler Rechte: Zur Verwirklichung des Plans muss natürlich zu allererst die ganze unnötige Bürokratie abgebaut werden, an die sich sowieso keiner hält. Das spart nachher viel Zeit und Geld, da die Verfahren vor dem Gerichtshof für Menschenrechte immer so lange dauern.

2. Syrien zu einem offiziellen Waffen-Testgebiet erklären: Jede Nation darf seine Waffen in die Region liefern, inklusive eigenen Ausbildern, die die sachgemäße Verwendung der Waffen sicherstellen. Somit könnten die ganzen aufwendigen und kostenintensiven Testverfahren stark vereinfacht werden und man hätte außerdem direkt praxistaugliche Ergebnisse.

3. Luftraumüberwachung durch automatisierte Kampfdrohnen: Im Moment beherrscht die syrische Luftwaffe noch den Luftraum und verhindert damit das Entstehen von größeren Gruppen von potentiellen Waffentestern. Deshalb wird Luftwaffe ausgeschaltet und allen Konfliktparteien wird ein Kontingent von automatisierten Kampfdrohnen angeboten. Damit hätte man erstmals ein sehr realistisches Testgebiet und könnte auch vollkommen autonome Drohnen einmal in Ruhe testen, ohne dabei irgendwelche Menschenrechte zu verletzen.

4. Beendigung des Konfliktes: Nach einer angemessenen Zeit, die ausreichend sein muss, damit alle Nationen sämtliche Waffensysteme in vollem Umfang testen konnten, muss es zu einer Beendigung des Konfliktes kommen. Zur Vermeidung von neuen Problemen ist eine ganzheitliche Lösung , die alle Bevölkerungsgruppen einschließt: Die vollständige Auslöschung Syriens durch die überflüssigen Atomwaffen aus dem kalten Krieg. Damit rückt man, durch das Aufbrauchen der Atomwaffen-Arsenale, dem Traum einer atomwaffenfreien Welt wieder ein wenig näher.

5. Die Lösung des Arbeitslosenproblems in Europa: Nach dem Punkt 4 erfüllt wurde, werden für den Wiederaufbau und die Wiederbesiedlung Syriens ca. 21 Millionen Menschen benötig ( die momentane Bevölkerungszahl Syriens). Dafür werden die Arbeitslosen, vor allem im Süden der EU, „freiwillig“ gemeldet. Da die gesamte Infrastruktur des Landes neu aufgebaut werden muss, hat die in einer tiefen Krise steckende Baubranche, nun wieder auf mehrere Jahrzehnte gefüllte Bücher. Spanische Baufirmen werden bevorzugt behandelt.

Man mag es geschmacklos nennen, so sarkastisch über den Syrienkonflikt zu reden. Wenn man jedoch die aktuellen Situation in Syrien den „Bemühungen“ der „internationalen Gemeinschaft“ gegenüberstellt, dann wird man entweder den Verstand verlieren oder zynisch. Es geht keinem der Politiker um Menschenleben in Syrien. Es geht ihnen um Einfluss, Geld und vielleicht auch die Möglichkeit, den anderen Staaten zu demonstrieren, wie gut ihre Waffensysteme sind. Ginge es um Menschenleben, hätte man schon lange ein UN-Mandat für eine Schutztruppe und bestimmte Städte zu „sicheren Zonen“ erklärt, in denen sich nur Zivilisten aufhalten dürfen, und die von keiner (para-) militärischen Einheiten, egal welcher Seite angehörig, betreten werden dürfen. Diese Lösung wurde schon mindestens einmal von einem hochrangigen General vorgeschlagen, aber irgendwie scheint diese „besorgte internationale Gemeinschaft“ gerade andere, vielleicht größere Probleme zu haben: Das internationale Finanzsystem läuft eben gerade mal nicht mehr so rund wie sie es gewohnt waren! Und das Geld wichtiger ist als Menschenleben, ist nun einmal eine Binsenweisheit. Das mir zu den Geschehnissen in und um Syrien herum ansonsten die rationalen Worte fehlen, ist von daher wahrscheinlich dann doch irgendwie verständlich. 

Ihre Meinung zum Syrienkonflikt?
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Mittwoch, 29. Mai 2013

Menschliches Klonen



Vor gut zwei Wochen geisterte eine Meldung durch nahezu sämtliche Zeitungen, die, wenn sie sich nun als wahr herausstellt, eine neue Ära einleitete. Einem amerikanischer Forscher war es angeblich erstmals gelungen, einen Menschen, genauer gesagt, menschliche Zellen zu klonen. Zwar gab es vor einigen Tagen einige Kritik an der Arbeit des Forscher, da er die selben Bilder zur Illustration von verschiedenen Sachverhalten genutzt haben sollte. Bis jetzt wurden aber seine Ergebnisse noch nicht angezweifelt und es sieht auch danach aus, als ob das so bleiben wird. Ebenso interessant wie die wissenschaftliche Diskussion um das Verfahren ist jedoch auch die ethische Diskussion, die im Moment zum Teil ziemlich verbissen geführt wird. Aber warum erregt das Klonen von Menschen das Interesse von so vielen verschiedenen Interessengruppen, wenn es bei Nutztieren doch schon zur Tagesordnung gehört?

Als mit dem Schaf Dolly das erste Mal ein Säugetier erfolgreich geklont wurde, war das eine große Sensation und viele Beobachter rechneten damals schon damit, dass sich die Klontechnik sehr schnell durchsetzten würde. Dies stimmte zwar im Bereich der Nutzviehaltung, aber sobald man anfing mit Menschenaffen - Zellen oder Menschen – Zellen zu arbeiten, versagten die bekannten Methoden. Und so wurde das Klonen von Säugetieren zu einem Standardverfahren, während das Klonen von Menschenaffen und Menschen schon von einigen Wissenschaftlern als unmöglich erachtet wurde. Das nun endlich auch diese biologische Barriere überwunden wurde, ist aus wissenschaftlicher Sicht ein großer Triumph. Außerdem beweist es, das der Mensch eben doch „nur“ ein Säugetier ist und keine große Sonderstellung im Stammbaum der Säugetiere besitzt, da im Großen und Ganzen das übliche Klonverfahren angewandt wurde, und nur an einigen Stellen etwas anders gearbeitet werden musste. Hat dieses Klonen jetzt irgend eine praktische Anwendung ( außer dem Erstellen ein Klonkriegerarmee)  oder ist es einfach nur wissenschaftliche Spielerei?

Um zu verstehen, was das Klonen von menschlichen Zellen für Vorteile bringt, sollte man die grundlegende Technik  verstanden haben. Im Prinzip benötigt man zum Klonen nur zwei Zellen: Eine beliebige Zelle des Wesens, das geklont werden soll und eine weibliche Eizelle, die nach Möglichkeit von einem Wesen der selben oder einer nahe verwandten Art stammt. Im ersten Schritt entkernt man die Eizelle. Danach entnimmt man der anderen Zelle die DNS und spritzt sie in die Eizelle. Im nächsten Schritt wird die Eizelle in eine Nährlösung in einer Petrischale vermehrt. Wenn sich dann ein genügend großer embryonale Zellhaufen gebildet hat, wird dieser Zellhaufen in die Gebärmutter eines entsprechenden Wesens eingegeben und im Idealfall entwickelt sich daraus dann ein Klon des Wesens, von dem die DNS stammt. Damit man ein Lebewesen wirklich erfolgreich klonen kann, muss man natürlich noch eine Vielzahl an anderen Dingen beachten, aber im Grund ist das ganze wirklich so einfach wie es klingt. Das, was das Klonen von Menschen so interessant macht, ist der Schritt, in dem die embryonalen Stammzellen entstehen. Denn diese kann man nun erstmals gewinnen, ohne dafür auf abgetriebene Embryonen zurückgreifen zu müssen. Dies hat den großen Vorteil, dass man in Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt, in denen es verboten ist solche Stammzellen zu benutzten, nun einen vernünftigen Ersatz hat. Vermutlich wird die gesamte Stammzellenforschung einen Auftrieb bekommen, da man nun über eine nahezu unbegrenzte Quelle von Stammzellen verfügt und nicht nur auf einige wenige Zelllinien zurückgreifen muss. Mit den geklonten Zellen eines Menschen ist es auch möglich Organe oder Gewebe zu züchten, welches nicht mehr von dem Körper abgestoßen wird. Das größte Problem der heutigen Transplantationsmedizin, die Abstoßungsreaktion und die damit verbundene ständige medikamentöse Behandlung wäre damit auf einen Schlag gelöst. Man sieht also, dass es eigentlich eine sinnvolle Idee war, auch menschliche Zellen zu klonen. Aber gibt es auch negative Seiten des Klonens? Gibt es nicht auch ethische und moralische Probleme beim Klonen?

Wie immer haben die Kirchen eine Problem mit geklonten Menschen, auch, wenn im Moment noch keiner ernsthaft einen Menschen klonen möchte, sondern nur die Stammzellen von Interesse sind. Für sie ist das ein klarer Eingriff in Gottes Plan und eine Verletzung der Menschenwürde. Auch säkulare Politiker haben teilweise ein Problem mit dem Klonen. Sie sehen vor allem die Persönlichkeitsrechte des geklonten Menschens verletzt. Ein weiteres Argument gegen das Klonen, das im Feuilleton der FAZ auftauchte, ist, dass Klone keine Seele hätten, da sie nur ein „Abklatsch“ der „eigentlichen“ Menschen wären. Ob man Gottes Plan mit klonen verletzt oder nicht ist eine müßige Diskussion. Wer daran glaubt, sollte sich einfach nicht klonen lassen, aber Argumente ohne vernünftige, diskussionsfähige Grundlage haben keinen Platz in ernsthaften Diskussionen. Viel interessanter ist daher das Argument der verletzten Menschenwürde und des „abklatsches“.

Ironischerweise sind es gerade die Verfechter der „Menschenwürde“, die die Klone als „Untermenschen“ betrachten und ihnen offensichtlich den Status eines Menschen, geschweige denn den einer Person absprechen. Dies ergibt sich nun einmal automatisch durch ihre Argumentation, dass ein Klon ein „abklatsch“ einer „normalen“ Person sei und als solcher über keine Seele verfügen könnte. Außerdem würde der Klon selber über keine „echten“ Persönlichkeitsrechte verfügen, da er schließlich „nur“ eine Kopie ist. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass die Vertreter dieser Argumentationslinie dies auch gegenüber den „natürlichen“ Klonen in unserer Gesellschaft vertreten würden! Eineiige Zwillinge sind nun einmal nichts anderes als „Klone“, die einfach in einem sehr kurzen Abstand geboren wurden. Keine Person würde auch die Idee kommen, einen als „echt“ und den anderen als „falsch“ zu bezeichnen. Beide Zwillinge entwickeln eigenständige Persönlichkeiten und gehen im weiteren Leben getrennte Wege; es sind also zwei eigenständige Menschen, wer sollte sich darüber wundern. Das selbe würde auch für Klone gelten, mit der einzigen Ausnahme, dass sie deutlich jünger wären als ihr „genetischer Vater“. Es sind freie Persönlichkeiten, die sich auch frei entwickeln werden. Es scheint im Moment also keine rationalen Argumente gegen das Klonen von Menschen zu geben. Es gibt wahrscheinlich aber auch keine rationalen Argumente dafür, dass es unbedingt notwendig wäre jemanden zu klonen.

Meiner Ansicht nach wird das Klonen von Menschen, bis auf wenige kriminelle Ausnahmen, die vermutlich dazu dienen werden, „Organlager“ zu haben, nicht praktiziert werden. Denn ebenso wenig, wie es rationale Argumente gegen das Klonen an sich gibt, gibt es auch rationale Argumente dafür, dass man sich selber unbedingt klonen müsste. Ein Klon von sich als Organlager muss man sich nur anlegen, wenn man nicht über die Technik verfügt, aus den geklonten Stammzellen die Organe wachsen zu lassen und dazu noch völlig skrupellos ist. Da das Klonen von Menschen doch etwas aufwendiger zu sein scheint, sehe ich darin aber keine Gefahr. Was für mich zählt ist, dass eine neue Ära der Stammzellenforschung angebrochen ist und ein weiteres Mysterium des Menschen gelöst wurde. Abgesehen von den vorschnellen und unüberlegten Querschüssen einiger Personen und Institutionen wird es auch noch lange keine rationalen Argumente gegen das Klonen geben und so hoffe ich, dass diese Technik weiterhin erforscht und verbessert wird. Man weiß nie, wozu es uns nachher einmal nützen kann!

Nicht die Gene definieren eine Person -
Sondern Erfahrungen und Taten!

Sonntag, 26. Mai 2013

Homosexualität in unserer europäischen Gesellschaft

Seitdem vor einer guten Woche in Frankreich die „Ehe für alle“, also eine Ehe inklusive Adoptionsrecht auch für homosexuelle Paare eingeführt wurde, vergeht fast kein Tag ohne eine größere Demonstration gegen diese Ehe. Die Gegner der „Homo-Ehe“ sind eine bunte Mischung aus konservativen, christlichen und rechten Gruppen, die nun durch ein gemeinsames Ziel geeint sind. Das diese Demos mitten in Paris zum Teil weit über 100.000 Teilnehmern ( und nach wahrscheinlich eher unglaubhafteren Angeben der Veranstalter über einer Million Teilnehmer ) haben, zeigt deutlich, wie stark die Ablehnung von Homosexuellen in unserer Gesellschaft verankert ist. Paris ist eine sehr moderne und progressive Stadt und für Homosexuelle eigentlich immer ein Anzugspunkt gewesen, da man ihnen hier kaum Ressentiments entgegen brachte. Die schiere Größe und Aggressivität dieser Demonstrationen zeigt nun aber auch sehr deutlich, dass es auch in einer so liberalen Stadt eine latente Ablehnung von Homosexuellen gibt. Wie sieht es denn dann erst in den kleineren, konservativ geprägten Städten in ganz Europa aus?

Laut einer nicht repräsentativen  Online-Umfrage der EU-Grundrechte-Agentur ( FRA) wagen es fast zwei Drittel aller homo-, bi- und transsexuellen nicht ihre sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit zu zeigen. Wer das auf den ersten Blick nicht für eine enorme Einschränkung der Lebensqualität hält, sollte nur einmal an einem schönen Sonnentag durch einen Park gehen. Er wird dort eine sehr große Anzahl an Menschen sehen, die sich küssen, Hand in Hand gehen oder sich verliebt umarmen. Es ist für sie vollkommen selbstverständlich, dass sie sich nicht mit ihrem Partner verstecken müssen und nicht wenige dürften stolz auf ihren Partner sein. Oder wenn sich ein Paar im Bahnhof verabschiedet und dabei vollkommen im Weg steht, weil sie gerade den Rest der Welt vergessen haben. So etwas zu können, seine Gefühle ausleben zu dürfen, ist ein sehr großes Stück an Lebensqualität. Wenn homosexuelle nun Angst davor haben, genau dieses Stück Lebensqualität in Anspruch zu nehmen, ist dies ein Armutszeugnis für die Gesellschaft, in der dies der Fall ist.

47 % der Befragten ( 48 % in Deutschland ) erlebten nach eigenen Angaben wenigstens einmal eine Diskriminierung wegen ihrer sexuellen Orientierung. Gut 27 % wurden auch schon körperlich oder verbal angegriffen. Es wurde allerdings nur ungefähr jeder fünfte Zwischenfall bei der Polizei angezeigt, da die meisten Betroffenen nicht glaubten, dass ihre Anzeige etwas positives für sie bringen würde. Auch wenn diese Umfrage nicht repräsentativ war, so zeichnet sie doch ein eher erschreckendes Bild der europäischen, aber auch der deutschen Gesellschaft. Wenn fast jeder zweite Homosexuelle schon mindestens einmal aufgrund seiner Homosexualität diskriminiert wurde, so kann man davon ausgehen, dass hinter dieser Diskriminierung mehr als nur eine kleine Minderheit steht. Die heimliche und offene Ablehnung von Homosexuellen ist also auch in Deutschland anscheinend mehr oder weniger alltagstauglich. Wenn etwas mehr als jeder vierte Homosexuelle schon mindestens einmal körperlich oder verbal angegriffen wurde, zeigt dass, dass in der europäischen Gesellschaft ein nicht zu unterschätzendes Gewaltpotential gegen Homosexuelle vorliegt und dieses Potential wird, falls die Finanzkrise weiterhin für schlechte Lebensbedingungen sorgt, wahrscheinlich auch noch weiter ansteigen.

Ein, zumindest in meinen Augen, sehr großes Problem, ist das Verhalten von Jugendlichen gegenüber homosexuellen gleichaltrigen. Die Studie der FRA hat nicht zwischen Jugendlichen und Erwachsenen differenziert, aber gerade diese Differenzierung wäre noch einmal sehr interessant gewesen, da viele Probleme schon in der Jugend entstehen. Das Kinder grausam sein können, ist ja bekannt. Dass diese Grausamkeit gerade gegenüber homosexuellen Klassenkameraden sehr extrem ausgelebt wird, wird jedoch gerne übersehen. Es verunsichert einen homosexuellen Jugendlichen, wenn sich seine Klassenkameraden mit „Schwuchtel“ oder „Homo“ beschimpfen, selbst, wenn diese Beschimpfungen erst einmal keinen homophoben Hintergrund haben. Das Jugendliche aber dennoch häufig eine latente Abneigung gegenüber Homosexuellen haben, dürften die meisten jugendlichen homosexuellen Pärchen schon ausgiebig erlebt haben. Von eher dezenter Ablehnung über gemeines Lästern bis hin zur körperlichen Gewalt kann man auf einem Schulhof als homosexuelles Pärchen alles erleben. Meistens bleibt es zwar bei einer unterschwelligen Ablehnung, aber als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft fühlt man sich trotzdem nicht anerkannt. Und wenn diese fehlende Akzeptanz von homosexuellen schon in der jungen Generation zu sehen ist, dann dürfte sie sich auch noch in zwanzig oder dreißig Jahren in der Mitte der Gesellschaft wiederfinden. Und das, obwohl dieses Verhalten jeder rationalen Grundlage entbehrt!

Die Radikalität und die hohe Gewaltbereitschaft der französischen Demonstranten hat mich ziemlich überrascht. Ich hielt das Thema „Homosexualität“ zwar für kontrovers, war mir aber ziemlich sicher, dass die Vernunft den Großteil der Gegner von „Homo-Heiraten“ im Zaum halten würde, da sie offensichtlich einen nicht zu verteidigenden Standpunkt vertreten. Aber ganz abgesehen von der aktuell ziemlich hitzigen Debatte in Frankreich verstehe ich die Aufregung über das Thema überhaupt nicht. Dass sich Menschen lieben ist doch seit dem Beginn der Menschheit bekannt. Dass es zum allergrößten Teil die Gene sind, die darüber entscheiden, ob eine Frau jetzt einen Mann, eine andere Frau oder sogar beide Geschlechter liebt, weiß man auch schon seit geraumer Zeit. Und das Liebe einer der stärksten Antriebskräfte eines Menschen ist und man sich kaum dagegen wehren kann, ist auch keine neue Erkenntnis. Warum sollte man sich also überhaupt dafür interessieren, wer jetzt wen liebt? Ist das nicht eigentlich etwas privates, in das man sich nicht einmischen sollte? Solange beide Partner alt genug sind um sich der Tragweite ihrer Entscheidungen bewusst zu sein, ist es doch vollkommen uninteressant ob jetzt Mann und Mann, Frau und Frau oder Frau und Mann ein Paar bilden. Und wenn sich das Paar nun einmal liebt und für längere Zeit zusammen bleiben möchte, so steht einer Heirat doch nichts im Wege! Kein Mensch sollte sich wegen seiner Homosexualität verstecken müssen, es muss sich schließlich auch kein heterosexueller Mensch wegen seiner Heterosexualität verstecken.

    No freedome till we're equal.

     Damn right - I support it!
 Macklemore - Same Love