Freitag, 26. Oktober 2012

Ein Brief an unsere Generation



Wenn ältere Personen über die „Jugend von heute“ reden, machen sie das häufig ein wenig abwertend, meinen, die jungen Leute würden nicht hart genug arbeiten, zu wenig auf Autoritäten achten oder sich komisch kleiden. Das sind alles Argumente, die, aufgrund des Alters der Personen die sie äußern, auch eine gewisse Daseinsberechtigung haben. Doch in den meisten Fällen sind sie ein Zeugnis davon, dass sie gar nicht mehr wissen, was den die „Jugend von heute“ ausmacht. In letzter Zeit finde ich jedoch, dass die „Jugend von heute“, also, übergeneralisiert gesprochen, die Personen, die nach 1990 geboren sind, wirklich Kritikwürdig ist. Denn ihr fehlt etwas, dass eine junge Generation eigentlich auszeichnet: Rebellion!

Für was lebt unsere Generation? Für Markenkleidung, harten Alkohol und Smartphones? Der Wunsch, etwas zu revolutionieren, etwas zu ändern, sich in die Geschichtsbücher zu schreiben: Nicht vorhanden. Die Vorbilder der heutigen Jugend? Steve Jobs, Lady Gaga und Gronkh! Gandhi, Einstein, Galileo, Luther: Noch nie von gehört. Ist Einstein nicht ein Rapper? Wo sind die Personen, die große Plakate von Gandhi und seinen Sprüchen im Zimmer haben? Wo hängen noch Che Guevaras an den Wänden? Wer kennt noch das Bild, von dem Soldat, der über den Stacheldraht von Ost-nach Westberlin springt; ein Bild, dass quasi ein Synonym für das Streben nach Freiheit gesehen werden kann? Stattdessen hängen nun Poster von Eminem, Ronaldo oder Rihanna an den Wänden perfekt durchgestylter Jugendzimmer.

Für was kämpft unsere Generation? Für größere Ohrlöcher, Alkoholexzesse, kürzere Röcke und Dubstep? Und gegen was wird gekämpft? Lange Röcke, soziales Engagement und Hipster? Wo sind die Zeiten geblieben, in denen Jugendliche sich in der Schule zu politischen Vereinen zusammenschlossen? Wo bleibt das Aufbegehren gegen die Eltern, die Obrigkeit, die Lehrer? Wo bleibt die Rebellion gegen das vorherrschende gesellschaftliche System? Ein zwei – Zentimeter Tunnel im Ohr ist kein Aufgebehren gegen die Gesellschaft, es ist eher eine Selbstverstümmelung, die im Alter noch interessant aussehen wird. Vielleicht muss man das unserer Generation einfach mal sagen; einfach sagen, dass sie LANGWEILIG ist. Das eine „Generation Party“ keinen Einfluss nehmen kann auf Politik oder Wirtschaft. Das man das Gefühl hat, inmitten einer Menge von Menschen zu stehen, die keinen Grund sehen, zu leben. Wo ist der Schrei der Rebellion? Gefärbte Haare, Tunnel in den Ohren und Gothic-Kleidung? Mehr habt ihr nicht zu bieten? Antifa-Aktionen und Taggen in der Nacht. Mehr habt ihr echt nicht drauf?

 Wo ist die ungebremste Kreativität, der unbändige Wille nach Freiheit? Wo ist der Wille, etwas bewusst mitzugestalten? Destruktiv sein hat bis jetzt noch keine Generation ausgezeichnet. Randale am ersten Mai ist kein Ausdruck einer politischen Meinung, sondern eher ein Zeichen für Langeweile und Sinnlosigkeit. Wo sind die Schüler- und Studentengruppierungen, die mit Anträgen vor dem Bundestag demonstrieren oder Briefe an Politiker schreiben? Wo ist unsere Generation, wenn eine umstrittene politische Entscheidung ansteht? Man sieht sie maximal ein paar Tage auf der Straße, danach ist alle schon wieder vergeben und vergessen; die nächste Party, das nächste Mädchen ist wichtiger! Wo bleibt die Bissigkeit, die Unnachgiebigkeit, der grenzenlose, selbstüberschätzende Mut der Jugend? Selbstüberschätzung und Narzissmus, das findet man zu Hauf, aber niemals im politischen, nur auf Partys und in Clubs. Den Wunsch, die Möglichkeit etwas für die Allgemeinheit zu tun, etwas positiv zu verändern? Nie gehabt, nie angedacht, nie in Erwägung gezogen. Das Bedürfnis ein Zeichen der Veränderung zu setzen? Ein soziales System langsam zu unterwandern und langsam zu verändern? Noch nicht einmal im Ansatz vorhanden, geschweige denn, von irgendjemandem angestrebt. Was sind wir für eine Generation? Eine verlorene? Eine verlogene?

Wir hören Caspar und Prinz Pi und bleiben trotzdem unpolitisch. Wir braucht mehr Zeit vor dem Spiegel als andere auf dem Klo, aber reflektiert uns trotzdem nicht. Wir ziehen Vintage-Kleidung an, setzten uns Nerd-Brillen auf und kämpfen trotzdem gegen „den Hipster“. Sind wir gefangen in der eigenen Eitelkeit? In der eigenen Hoffnungslosigkeit? Zerfressen von Selbstzweifel und Sinnlosigkeit? Oder doch nur zerfressen vom Alkohol, von den Drogen und vom Dubstep? Wie werden wir später einmal in sozialwissenschaftlichen Texten genannt? „Generation Party“? ! „Generation Antriebslosigkeit?“ „Generation Langweilig“? Oder möchten wir anders genannt werden? Dann müssen wir uns aber auch so verhalten, dann müssen wir etwas dafür tun! UNSERE Jugend ist fast vorbei, UNSERE Zeit fast abgelaufen. Wir sind Vorbild für die nächste Jugend, wir sollten die letzten uns verbleibenden Jahren nutzen. Oder im Rausch durchfeiern, denn das können wir ja!

Wir liegen lachend in den Trümmern und fühlen uns frei - 
 Zu frei, um etwas gegen die Trümmer machen zu müssen?

Dienstag, 16. Oktober 2012

Doktorarbeit ohne Niveau?



Etwas mehr als anderthalb Jahre nach der großen Plagiatsaffäre um Guttenberg steht nun eine neue, interessante Affäre im Haus. Pikanterweise diesmal mit der Bildungsministerinn als Hauptperson und einer Arbeit die „Gewissen“ im Titel trägt in der Nebenrolle. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man bei dieser Ausgangssituation fast schon wieder darüber lachen. Grob betrachtet läuft das gesamte Verfahren im jetzigen Fall genauso ab wie damals bei Guttenberg, nur dass Frau Schavan anscheinend deutlich weniger dreist Stellen in ihrer Arbeit übernommen hat und größtenteils angeblich „schlampig“ gearbeitet hat. Und genau diese „leicht schlampige“ Arbeitsmethode wird nun anscheinend als Verteidigung genutzt. Dabei ist Arbeitsweise das eigentlich skandalöse an der Arbeit.

In einigen Bundesländern werden in der zehnten oder elften Klasse Facharbeiten, Kursarbeiten oder ähnliches geschrieben. Dies sind Arbeiten, die in den meisten Fällen einen Umfang von zehn bis fünfzehn Seiten haben sollen und in denen der Schüler ein bestimmtes Thema aufarbeitet. In diesen Arbeiten kann natürlich nicht viel neues herausgefunden werden, aber sie sollen trotzdem einen erkennbaren Eigenanteil aufweisen und nach den Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens entstanden sein. Diese Arbeiten sollen die Schüler an die Hausarbeiten für die Uni, aber auch an Doktor-, oder Bachalore-Arbeiten heranführen und je nachdem wie streng der Lehrer abschließend bewertet, kann es sein, dass ein sehr großer Teil der investierten Zeit allein in die Form der Arbeit geht. Ist der Lehrer wirklich penibel, dann muss man zu jedem Zitat nicht nur die Quelle, sondern auch die Zeile und Seitenanzahl angeben. Ist dieses Zitat auch nur in einem Sekundärtext angegeben, dann muss dies natürlich auch angegeben werden, sodass nicht der Eindruck entsteht, man hätte das Original gelesen. Man muss das Inhaltsverzeichnis nach ziemlich strengen Regeln anlegen und aufpassen, dass man im Anhang, im Literaturverzeichnis und in den Anmerkungen jeweils das richtige stehen hat. Hat man versehentlich etwas in die Anmerkungen geschrieben, das eigentlich in den Anhang gehört, kann das problemlos dazu führen, dass man um eine oder sogar zwei Notenstufen abgestuft wird. Natürlich hängt dies alles von der Strenge des bewertenden Lehrers ab. Wenn ihm dies alles egal ist und er festgestellt hat, dass man wenigstens nicht offensichtlich plagiiert hat, dann kann man auch mit einer formal schlechten Facharbeit dreizehn oder mehr Punkte bekommen. Solche Lehrer stellen zumindest in meinem Bekanntenkreis die Ausnahme dar, während die strengen Lehrer eher der Regelfall sind. Man sieht also, dass schon für Schüler sehr hohe Standards bei der Erstellung einer Facharbeit gelten. Ist man Student an einer Universität oder an einer Fachhochschule und möchte eine Doktorarbeit schreiben, ist es nicht zu viel verlangt, noch höhere Standards einzufordern. Und genau in diesem Punkt scheint Frau Schavan versagt zu haben.

Ob Frau Schavan bewusst plagiiert hat oder nicht wird sich wahrscheinlich in den nächsten Tagen weitestgehend zweifelsfrei herausstellen. Die Entscheidung, ob sie ihren Doktortitel behalten darf oder nicht, ist jedoch nicht allein davon abhängig. Eine Doktorarbeit sollte eigentlich eine Forschungsarbeit sein, also neues Wissen zu Tage bringen. Außerdem ist der Doktortitel einer der höchsten wissenschaftlichen Titel und dementsprechend gut sollte auch die dafür notwendige Arbeit ausfallen. Wenn in einer Doktorarbeit schlampig gearbeitet wird und Fehler gemacht werden, die schon in einer Facharbeit  zu einer schlechten Benotung und unter Umständen sogar zu einem „ungenügend“ führen können, dann sollte die Frage gestellt werden, ob diese Arbeit überhaupt als „Bestanden“ bewertet werden kann. Rein logisch betrachtet kann man diese Arbeit nicht mehr als „Bestanden“ werten, da schon von Schülern ein höheres Maß an Genauigkeit gefordert wird und die Fehler in Frau Schavans Arbeit bei einigen Lehrern schon voll und ganz genügen würden um die Arbeit als Plagiat zu bezeichnen. Ob sie nun absichtlich Textstellen als eigene Gedanken ausgegeben hat, die sie eigentlich von jemand anders abgeschrieben hat oder nicht, sagt lediglich noch etwas über ihre Ehrlichkeit aus. Hat sie es getan, sollte sie sich vielleicht ihre Arbeit selber noch einmal durchlesen und sehen, was sie über die Gewissensbildung schreibt. Vermutlich ist sie nicht zu dem Schluss gekommen, dass man mit einem guten Gewissen eine Arbeit abgeben kann, für die man plagiiert hat. Das ist jedoch etwas, dass sie mit sich selber ausmachen muss. Für die Öffentlichkeit ist jetzt wichtig, dass sie sich erklärt und unter Umständen auch ihr Amt zur Verfügung stellt. Hat sie bewusst getäuscht, sollte sie von allen politischen Ämtern zurücktreten und sich am besten auch nicht mehr in die Öffentlichkeit stellen. Zumindest solange nicht, bis sie ihren Fehler ernsthaft bereut und erklärt, warum sie damals getäuscht hat. Sind die Plagiate in ihrer Arbeit „lediglich“ auf unsauberes Arbeiten zurückzuführen, sollte sie sich trotzdem überlegen, ob sie nicht ihren Posten als Bildungsministerin zur Verfügung stellt. Sie hat einen großen Teil ihrer Glaubwürdigkeit in diesem Amt nun eingebüßt und sollte vielleicht dann eher in ein Amt wechseln, dass nichts mehr mit Bildung, Wissen und genauer Arbeit zu tun hat. Für Umwelt-, oder Wirtschaftsministerium wäre sie dann wahrscheinlich besser geeignet. Das ihr der Doktortitel aberkannt wird, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit und unabhängig von ihrem Verbleib in ihrem Amt sein. Eine Arbeit mit offensichtlichen Fehlern ist niemals „Bestanden“, vor allem, wenn es sich um eine so wichtige Arbeit, wie eine Doktorarbeit handelt.

In der Onlineausgabe der „Zeit“ war ein intelligenter Kommentar zu dem Fall Schavan, der, wenn auch vom Autor wahrscheinlich nicht beabsichtigt, etwas sehr essentielles aufgezeigt hat. Der Kommentar hat den Fall relativiert mit der Begründung, dass viele Arbeiten wahrscheinlich ähnlich schlampig geschrieben werden. Vermutlich stimmt diese Aussage, aber ich sehe in diesen Sachverhalt eher ein gesellschaftliches Problem als ein Wissenschaftliches. In unserer Gesellschaft ist es sehr viele Personen unglaublich wichtig über einen Titel zu verfügen, und wenn es nur der eines Ehrendoktor ist. Man möchte sich wahrscheinlich damit von der breiten Masse der „ungebildeten“ abheben oder sich „intelligenter“ als die Mehrheit fühlen. Diese Mentalität, diese „Titeljagd“ ist aber eine absolute Perversion des Gedankens, der hinter diesen Titel steht. Eigentlich sollten nur außergewöhnliche Leistungen mit einem Titel ausgezeichnet werden; Leistungen, für die man wirklich gearbeitet hat. Wer einen Doktortitel trug, hatte also wirklich umfangreiches Wissen über seinen Fachbereich. Durch die schiere Inflation der Titel kommt es aber immer mehr dazu, dass in den Arbeiten kaum noch neues Wissen entsteht und sie vielmehr eine geschickte Wiedergabe des bekannten sind. Diese Arbeiten haben in meinen Augen keinen Titel mehr verdient, da sie vielleicht Arbeitsaufwändig waren, aber keine große geistige Leistung benötigt haben. Wissenschaftliche Titel müssen mit einer echten geistigen Leistung einhergehen und verdienen auch nur dann Respekt, wenn diese Leistung erbracht wurde. Ein Doktor der Linguistik, der sich aus vielen verschiedenen anderen Arbeiten seine Arbeit zusammengestückelt hat, verdient, auch wenn er alle Grundsätze des Zitierens eingehalten hat und diese Arbeit mehrere Jahre gedauert hat, in meinen Augen keine besondere Anerkennung. Hat er jedoch eine bis dato noch vollkommen unbekannte Seite eines Buches analysiert, ist diese Anerkennung verdient. Wir müssen wieder lernen, Titel nach dem zu beurteilen, wie sie erlangt wurden und nicht einfach nach ihren Kürzeln. Außerdem benötigt man nicht unbedingt einen Titel um in einem Fachbereich gut informiert zu sein. Ein Titel sollte eigentlich nur deshalb angestrebt werden, weil einen etwas ganz besonders interessiert und nicht, weil man sich besser präsentieren möchte!

Titel sind Schall und Rauch - 
Was zählt ist Wissen!

Samstag, 29. September 2012

Das Schwert der Rhetorik

Die Zeit des großen Aufrüstens ist glücklicherweise vorbei, aber noch immer liegen die Weltweiten Rüstungsausgaben auf einem sehr hohen Niveau und noch immer werden neue, noch tödlichere Waffensysteme entwickelt. Dies ist eigentlich unverständlich, wenn man bedenkt, dass die ultimative Waffe der Menschheit kostenlos zur Verfügung steht: Die Rhetorik! Wer jetzt lacht, sollte einmal gut 70 Jahre in der deutschen Geschichte zurückgehen. Dann wird ihm dieses Lachen vergehen und er wird verstehen.

Es ist eine beliebte Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Hitler und seine NSDAP es überhaupt in den Reichstag einziehen konnten, ganz zu schweigen davon, wie er so eine große Organisation wie die SA oder SS aufbauen konnte. Natürlich sind Faktoren, wie wirtschaftliche Unzufriedenheit oder Nationalstolz nicht falsch, aber etwas ganz entscheidendes wird gerne ignoriert. Hitler war ein brillanter Rhetoriker und er hatte immer Personen um sich, die auch geniale Redner waren. Besonders deutlich zeigte sich das bei dem Propagandaminister Goebbels. Seine Reden sind häufig rhetorische Meisterleistungen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Sportpalastrede, aber auch viele seiner Radiosendungen sind unter rhetorischen Gesichtspunkten exzellent. Ich möchte hier unter gar keinen Umständen den Nationalsozialismus glorifizieren, ich möchte vielmehr darauf hinweisen, wie einfach so eine verabscheuungswürdige und menschenverachtende Ideologie die breite Masse erreichen kann. Über gute und griffige Parolen, prägnante Botschaften und geschickt inszenierte Veranstaltungen werden auch heute noch Personen im großen Maßstab manipuliert. Gute Rhetoriker können ein Volk in relativ kurzer Zeit für oder gegen eine bestimmte Sache einstellen und so wichtige Entscheidungen herbeiführen. Im dritten Reich waren die Rhetoriker so erfolgreich, dass sogar im stark zerstören Berlin, als die Niederlage offensichtlich war, noch Wiederstand geleistet wurde, da der Glaube an den „Endsieg“ fest im Gehirn vieler Personen verankert war. Solch eine von außen eingesetzte fixe und unerschütterliche Überzeugung ist das größte, was ein Rhetoriker erreichen kann. Und genau dies stellt auch das enorm gefährliche Potential eines Rhetorikers da.

Heutzutage gibt es eigentlich kaum noch etwas, dass der Zerstörungsgewalt von Waffen gewachsen ist. Alles kann zerstört werden, es ist nur eine Frage der Sprengkraft. Alles außer Ideologien! Ist eine bestimmte Ideologie einmal verbreitet, bedarf es schon eines starken Schockereignisses oder eines langen, langsamen Kampfes, damit  sie wieder aus den Köpfen der Personen verschwindet. Das Töten von einzelnen Personen, aber auch von großen Gruppen zeigt nahezu keine Wirkung und macht damit Waffen auf einen Schlag vollkommen nutzlos. Ideologien kann man nicht mit Waffen bedrohen, kann man nicht mit Waffen töten, kann man nicht mit Waffen einschränken. Die einzige Möglichkeit, wie man eine Ideologie bekämpfen kann, ist sie rhetorisch anzugreifen. Und genau das ist der Grund dafür, warum Rhetoriker die eigentlich mächtigen sind.

Möchte ein Politiker sein Konzept zur Armutsbekämpfung populär machen, wird er sein Konzept vermutlich der Presse und dem Rundfunk vorstellen und hoffen, dass diese darüber berichten. Vielleicht findet er sogar jemanden, der eine Glosse oder einen Kommentar dazu schreibt und damit auch Personen angesprochen werden, die sich sonst nicht für Politik interessieren. Wenn der Politiker bei den Berichten oder auch bei der öffentlichen Vorstellung seines Konzeptes nun sachlich sämtliche Vorteile und Folgen seines Konzeptes aufzählt, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit mehrheitlich abgelehnt oder für uninteressant befunden. Ist er jedoch rhetorisch begabt, wird er am nächsten Tag in der Presse als „Retter der Armen“ bejubelt. Es zählt in den wenigsten Fällen noch, was man sagt, sondern vor allem, wie man etwas sagt. Ein noch so schlechtes Wahlprogramm wird gar nicht wirklich bemerkt, wenn man es rhetorisch geschickt vorstellt. Das gleiche gilt auch für Vorstände, vor allem in großen Unternehmen. Ein Verlust klingt schon gar nicht mehr so schlimm, wenn man ihn als negativen Gewinn oder ähnlich fantasievoll bezeichnet. Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, muss nicht unbedingt besonders gut für die Stelle geeignet sein, er muss sich nur gut verkaufen können. Der Einfluss von guter Rhetorik im alltäglichen Leben nimmt von Jahr zu Jahr zu, vor allem, da in unserer Gesellschaft immer mehr Wert auf Schein anstatt auf Sein gelegt wird. Man muss heute keine Fakten mehr kennen, man muss nur in der Lage sein, sein Unwissen geschickt auszudrücken. Dabei ist diese Entwicklung eigentlich paradox, da wir in einer Informationsgesellschaft leben und nahezu jeder Zugang zu einer immer größeren Menge an Informationen hat. Und ein gut informiertes Publikum ist der Albtraum eines jeden Rhetorikers, da es eigentlich in der Lage ist, seine Worthülsen und geschickten Formulierungen genau als das zu erkennen, was sie sind: Manipulationsversuche. Vielleicht ist es vielen Personen einfach zu anstrengend, sich mit Stellungnahmen von Regierungssprechern oder Reden von Politkern, Vorständen oder ähnlichem auseinanderzusetzen und sie auf die Fakten zu überprüfen. Vielleicht geben sie ihre Stimme einfach guten Gewissens der Person, die ihnen am sympathischsten erschien. Dabei hätten sie die Macht, die Personen mit Ahnung und nicht gute Blender in wichtige Positionen zu wählen.

Das Schöne an der Macht der Rhetorik ist, dass sie nichts exklusives ist. Natürlich gibt es immer Personen, die als Redner talentiert sind und auch ohne Ausbildung ein Publikum begeistern und mitreißen können. Aber Prinzipiell ist Rhetorik etwas für jeden erlernbares und damit auch etwas, gegen dass sich jeder wehren kann. Wer einmal das Glück hatte, einen guten Rhetoriker erleben zu können, wird gemerkt haben, wie seine Emotionen und seine Gedanken von ihm in die gewünschte Richtung gedrängt wurden. Diese Manipulation von Gedanken, und wichtiger noch, Emotionen, ist aber auch etwas, dass man relativ leicht bemerken kann. Wenn man nach einer Veranstaltung aufgewühlt ist, sollte man einen kurzen Augenblick darauf verwenden und zu überlegen, ob der Redner einen nicht vorsätzlich in eine Richtung drängen wollte. Auch sollte man Grundsätzlich die Informationen, die man von dem Redner bekommen hat, überprüfen. Jede noch so gute Rede verliert ihren Effekt, wenn man sie einmal auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft und feststellt, dass sie eigentlich keine richtigen Informationen enthielt. Und da der Zugang zu Informationen heutzutage so einfach ist, sollte man das auch ab und an tun. Das Schwert der Rhetorik die gefährlichste Waffe, die man besitzen kann. Sie sollte jedoch mit nur mit Überlegung gebraucht werden, da sie mit ein wenig Aufwand schnell gegen einen selber gerichtet werden kann.      

Rhetorik: Kostenlos, aber niemals billig! 

Montag, 27. August 2012

Ein Jahr im Bloggoversum


Heute vor einem Jahr, am 28.8.2011, habe ich meinen ersten Text in das Blogger-Universum entlassen. Vielleicht ist diese Gelegenheit ein guter Anlass den, ein wenig eigensinnigen, Stil dieses Blogs zu erklären. Im Gegensatz zu vielen Blogs ist mein Blog schließlich mit seinem schlichten, blauen Hintergrund doch sehr farblos. Außerdem mangelt es ihm erheblich an Bildern, da ich ihn als reinen Textblog betreibe und nicht über mich und mein Leben schreibe.

„Schuld“ daran, dass ich diesen Blog habe, ist einzig und allein die wunderbare und einzigartige Josi. Sie hat mich mit der Blog-Kultur in Verbindung gebracht und ohne sie wüsste ich auch heute nur sehr grob, was ein Blog eigentlich ist und sein kann. Hierfür sehr herzlichen Dank!! Das dieser Blog nicht aus reiner Langeweile entstanden ist, dürfte recht schnell anhand der Anzahl meiner Posts zu erkennen sein.  84 Posts in einem Jahr ist nicht gerade viel. Aber es war auch nicht mein Ziel möglichst viele Posts zu schaffen, sondern ich wollte vielmehr eine Art „Deponie“ für meine Gedanken haben, mit denen ich nicht mein Umfeld belästigen konnte. Ein Blog erschien mir als die ideale Plattform, da hier keiner gezwungen wird, irgendetwas zu lesen, aber jeder der möchte, sich mit den Gedanken auseinandersetzen kann. Außerdem ist die weitestgehende Anonymität des Blogs ein großer Vorteil, da sie eine große Objektivität ermöglichen. Abgesehen von dem Blognamen, der eindeutig über die gedankliche Richtig, die in den Posts vorherrscht, Aufschluss gibt, gibt es (hoffentlich; zumindest fast immer)  kaum Möglichkeit wirklich zu wissen, wer hinter dem Post steht. So können vom Leser auch keine Vorurteile, die er eventuelle gegenüber dieser Person hegen würde, in den Post hineinprojiziert werden. Es mag zwar sehr unpersönlich und vielleicht auch ein wenig arrogant erscheinen, aber ich denke, dass es auch diese Anonymität ist, die für mich den Reiz am Bloggen ausmacht. Es erleichtert mir das Denken ungemein, wenn ich meine Ideen einmal aufgeschrieben habe. Das eine wahrscheinlich recht große Anzahl meiner Posts teilweise wirr ist, ist ebendiesem Umstand geschuldet. Dafür, dass der Blog eigentlich nur als „Mülldeponie“ für Gedanken gedacht war, hat er mir aber bisher sehr viel Spaß bereitet. Das liegt vor allem daran, dass ich Anregungen und Kritik über Kommentare erhalten habe, die ich im „normalen“ Leben wahrscheinlich nie bekommen hätte.

Man kann nur wachsen, wenn man sich verbessert und man kann sich nur verbessern, wenn man kritisiert wird. In diesem Sinne freue ich mich auch über sehr über Kommentare, die meine Gedanken kritisieren, weil ich dadurch meine Argumente verbessern kann. Ich bin natürlich auch immer erfreut, wenn seine Meinung zu dem jeweiligen Thema abgibt, da auch dies eine Bereicherung darstellt.

Auch wenn mir die Anzahl der Leser eigentlich nicht besonders wichtig sind, so freue ich mich doch darüber, dass es tatsächlich Personen gibt, die sich mit meinem „Gedankenmüll“ beschäftigen. Das gilt für allem für Apfelkern ( deine Leserschaft war der Ritterschlag für mich!), MuhSchu ( bitte immer fleißig weiter kommentieren), Josi ( immer wieder inspirierend ) und Lu. Natürlich freue ich mich auch immer über Kritik oder Anregungen von allen anderen, die ich gerade so unhöflich unter den Tisch habe fallen lassen.

Auch eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt-
Der Schritt ist gemacht, die Reise begonnen…